Zehn Jahre Bioenergiedorf: Jühnde 2.0 wird flexibler

Ob es für Post-EEG reicht, ist offen

Insgesamt visieren die Jühnder eine Amortisation der Investition nach zirka fünf Jahren an. Zudem hoffen sie, so technisch und ökonomisch bestmöglich für die Zeit nach dem EEG aufgestellt zu sein. Anlage und Wärmenetz sind dann abgeschrieben, das lässt die Gestehungskosten weiter sinken. Ob es alles in allem reicht, um ab 2026 bezahlbare Wärme für die Genossen erzeugen und den Strom ohne EEG-Förderung verkaufen zu können, ist noch offen. Vor der Frage „Wie weiter nach dem EEG?“ stehen dabei nicht nur Jühnde und viele andere Bioenergiedörfer hierzulande, sondern generell auch die bundesweit rund 8000 Biogasanlagen und 350 Holzheizkraftwerke.

Bioenergiedörfer quo vadis?

Da für ein Bioenergiedorf viele Rahmenbedingungen stimmen müssen (zum Beispiel kompakte Bebauung, genug Biomasse, kein neues Erdgasnetz etc.), wird die Anzahl dieser Dörfer voraussichtlich begrenzt bleiben. Bioenergiedörfer mit neuen Biogasanlagen wird es künftig nicht mehr geben, denn seit dem 2014 novellierten EEG sind nur noch Güllekleinanlagen und Bioabfallanlagen rentabel zu betreiben – doch die einen produzieren zu wenig Wärme für ein Nahwärmenetz und die anderen gibt es kaum im ländlichen Raum. Das muss aber nicht das Aus für eine bürgerschaftlich organisierte erneuerbare Energieversorgung bedeuten. So stellen zum Beispiel reine Wärme-Bioenergiedörfer auf der Basis von Holz und gegebenenfalls Solarthermie eine auch wirtschaftlich interessante Option dar, wenn sie die Nutzung von Heizöl verdrängen. Ein interessantes Beispiel dafür ist Büsingen an der Schweizer Grenze, in dem eine Hackschnitzelheizung und erstmals ein großes thermisches Kollektorfeld kombiniert wurden. Auch ohne EEG gilt: Biobrennstoffe sind im langjährigen Durchschnitt günstiger als Heizöl, zudem lassen sich zentrale Heizkessel mit einem Nahwärmenetz besonders effizient betreiben.

Jühnde hat aber auch nicht-technische Erfahrungen gemacht, die für potenzielle Nachahmer wertvoll sein können. Besonders wichtig ist aus Sicht des Vorstandes der Bioenergiedorf Jühnde eG die Öffentlichkeitsarbeit mit der transparenten Darstellung der Vorhaben und die Einbeziehung der Meinung der Bürger. Zudem sollte man eine unabhängige Beratung einholen, um seine eigene Sicht zu schärfen, rät der Vorsitzende Eckhard Fangmeier.