Heizen mit Stroh – erneuerbare Wärme aus der Landwirtschaft

Autorin/Redakteur: Nicole Paul, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)/gg

Strohheizungen sind in Deutschland bislang, ganz anders als beim nördlichen Nachbarn Dänemark, kaum bekannt, dabei stünden erhebliche Potenziale zur Verfügung. Die Schornsteinfeger führen in ihren Statistiken nur etwa 100 Anlagen (von denen einige aber schon seit rund 20 Jahren ihren Dienst tun). Dabei bietet sich dieser Brennstoff insbesondere für Landwirte an, die ihn selbst erzeugen und aufgrund eines hohen Wärmebedarfs auch selbst verwerten können. Wer beim Getreideanbau alles richtig macht, kann ein Äquivalent von 4.000 bis 6.000 Liter Heizöl je Hektar Fläche ernten. Sind dann noch die baulichen Verhältnisse günstig, kann das Heizen mit Stroh auch ökonomisch interessant sein.

Potenziale und Einschränkungen

Getreide wird in Deutschland auf der Hälfte der gesamten Ackerfläche, entsprechend über sechs Millionen Hektar angebaut. Das anfallende Stroh spielt eine wichtige Rolle für die Humusbilanz. Die Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft und das Deutsche Biomasseforschungszentrum haben deshalb bei ihrer Analyse der verfügbaren Strohpotenziale die Humusbilanzierung ebenso wie sonstige Nutzungsansprüche zum Beispiel von Tierhaltern berücksichtigt. Im Ergebnis ist in Deutschland noch ein sehr erhebliches, nutzbares Strohpotenzial vorhanden: es beträgt jährlich rund zehn Millionen Tonnen. Mit einem Heizwert von rund vier Kilowattstunden pro Kilogramm für trockenes Stroh entspricht dies einem Heizöläquivalent von vier Millionen Tonnen Heizöl.

Landwirte müssen betriebsindividuell bewerten, wieviel Stroh sie von ihren Flächen für eine energetische Nutzung entnehmen können. Die Humusbilanz soll ausgeglichen bleiben und der Humusgehalt des Bodens nicht vermindert werden. Daneben gilt es auch, den Aspekt Bodennährstoffe im Rahmen der Fruchtfolge des Betriebes zu beachten. Gegebenenfalls kann über eine Düngung mit der Strohasche eine Rückführung von Nährstoffen erfolgen. Auch wenn das Stroh an Dritte vermarktet wird, ist dabei die Nährstoffabfuhr, insbesondere von Kalium und der entsprechende Düngerwert zu berücksichtigen. Schließlich muss man flächenspezifisch bewerten, ob und welche Strohmengen für Zwecke des Bodenschutzes und der Erosionsminderung benötigt werden, insbesondere für Flächen mit ausgeprägter Hanglage oder Windexponierung.

Der Brennstoff

Landwirte können bereits bei der Bodenbearbeitung und Aussaat auf eine gute Brennstoffqualität hinwirken: Vorteilhaft sind unter anderem die Vermeidung von chlorhaltigen Düngemitteln und abreifeverzögernden Pflanzenschutzmitteln sowie ein Druschtermin nach Eintritt der Vollreife des Getreides. Nach dem Drusch wirken sich einige Tage Feldliegezeit positiv aus, denn sogenanntes „graues Stroh“, bei dem sich durch Tau und gegebenenfalls Regen die Alkalimetall- und Chlorgehalte reduziert haben, ist besonders geeignet. Der wohl wichtigste Parameter für den Heizwert ist der Wassergehalt. Er sollte unter 20 Prozent, besser noch unter 15 Prozent liegen. Bei günstiger Witterung ist eine Ernte von Stroh mit Wassergehalten von etwa zehn bis 15 Prozent möglich. Bei Ernte und Pressung ist darauf zu achten, dass das Stroh keine Fremdbestandteile wie zum Beispiel Sand, Lehm, Steine oder Folien enthält.

Für Strohheizungen mit Ballenförderband und Ballenauflöser sollten Pressen mit Schneidwerk zum Einsatz kommen, die das Stroh beim Pressvorgang auf zirka 20 Zentimeter kürzen. Das Stroh sollte möglichst Sorte für Sorte und Feldblock für Feldblock eingelagert und genutzt werden, da sich die Feuerungsparameter des Kessels dann leichter bestmöglich für die jeweilige Partie einstellen lassen.

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