Fachkräftebedarf im E-Handwerk sinkt, bleibt aber eine Herausforderung
Die E-Handwerke in Deutschland verzeichnen aktuell rund 65.000 offene Stellen – 18 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit setzt sich der rückläufige Trend beim Fachkräftebedarf fort, der bereits in den letzten beiden Jahren zu beobachten war. Besonders betroffen sind an- und ungelernte Helfer, während der Bedarf an qualifizierten Gesellen, hochqualifizierten Gesellen und Meistern nur moderat zurückgeht. Hintergrund sind anhaltende Krisen im Neubau, niedrige Sanierungsraten und eine stagnierende Energiewende. Trotz des Rückgangs warnt der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), dass Fachkräfte weiterhin dringend benötigt werden, insbesondere angesichts der demografischen Entwicklung und der fortschreitenden Elektrifizierung.

Rückgang der offenen Stellen seit 2021
Die aktuelle Fachkräfteerhebung des ZVEH zeigt, dass der Bedarf im größten installierenden Handwerk Deutschlands weiter rückläufig ist. Die Zahl der offenen Stellen sank von 79.567 Anfang 2025 auf nun 65.301. Zum Vergleich: Während der Hochphase der Energiewende zwischen 2021 und 2023 stieg der Bedarf kontinuierlich und erreichte 2023 mit 96.580 offenen Stellen einen Höhepunkt. Auch die Herbstkonjunkturumfrage 2025 verdeutlicht die Zurückhaltung der Unternehmen bei der Einstellung neuer Mitarbeiter: Hatten 2023 noch 66 Prozent der Betriebe offene Stellen gemeldet, waren es 2025 nur noch 46,9 Prozent.
Mehrere Faktoren bremsen den Bedarf
Alexander Neuhäuser, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, führt die Entwicklung auf mehrere Ursachen zurück: „Der Neubau schwächelt, die Sanierungsquote liegt auf einem Allzeittief, Elektromobilität stagniert und selbst der Photovoltaik-Markt ist rückläufig.“ Zusätzlich sorge die politische Debatte um die Energiewende, das Verbrenner-Aus und die Verschiebung des EU-Emissionshandelssystems 2 (EU-ETS 2) für Verunsicherung und Investitionszurückhaltung bei Erneuerbaren Energien.
Fachkräfte weiter im Fokus
Der Rückgang betrifft vor allem an- und ungelernte Kräfte: Ihre offenen Stellen halbierten sich von 7.996 (2023) auf 3.673 im Jahr 2026. Bei Gesellen sank die Zahl von 25.568 auf 21.655, bei hochqualifizierten Gesellen von 23.048 auf 17.627 und bei Meistern von 5.641 auf 5.140. „Die Betriebe setzen verstärkt auf flexible, gut qualifizierte Fachkräfte, um sich schnell an wechselnde Nachfrage anzupassen“, so Neuhäuser. Auch bei Auszubildenden ist die Zahl der offenen Stellen zwar leicht gesunken, der Bedarf bleibt stabil.
Langfristige Herausforderung für Ausbildung und Qualifikation
Trotz des aktuellen Rückgangs bleibt der Fachkräftebedarf hoch, insbesondere wegen des demografischen Wandels und der zunehmenden Elektrifizierung. Neuhäuser betont: „Ausbildung und Qualifizierung dürfen angesichts einer schwächelnden Wirtschaft nicht vernachlässigt werden. Der Fachkräftebedarf wird in den kommenden Jahren weiter bestehen.“ Um die Leistungsfähigkeit des E-Handwerks und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland zu sichern, sei eine hochwertige Ausbildung und kontinuierliche Qualifizierung unverzichtbar.
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