Bau/Sanierung

Fachkonferenz in Würzburg: Infrarotheizung als Option für bezahlbaren Wohnraum

Steigende Baukosten und komplexe technische Anforderungen erhöhen den Druck auf Wohnungswirtschaft, Planung und Architektur. Gleichzeitig sollen Neubauten und Sanierungen wirtschaftlich, energieeffizient und zukunftsfähig umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund rückt die Frage nach vereinfachten technischen Lösungen stärker in den Fokus. Der Branchenverband IG Infrarot Deutschland e.V. lädt daher am 16. April 2026 zur Konferenz „Infrarotheizung: Schlüssel zum bezahlbaren Bauen und Wohnen“ nach Würzburg ein. Im Mittelpunkt stehen Praxisbeispiele, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und die Rolle reduzierter TGA-Konzepte.

Die Veranstaltung beleuchtet, wie sich durch Infrarotheiztechnik Bauprozesse vereinfachen und Investitionskosten beeinflussen lassen. Eine Keynote unter dem Titel „Wenn ich Bundesbauminister wäre“ setzt einen wohnungspolitischen Impuls. In einer Podiumsdiskussion mit Verbänden wird erörtert, wie schneller und kostengünstiger Wohnraum entstehen kann und welche Bedeutung eine preiswerte technische Gebäudeausrüstung (TGA) dabei hat.

Dieses Mehrfamilienhaus mit 56 Wohnungen wurde in nur acht Monaten gebaut. Es wird komplett mit Infrarotheizungen beheizt.
– Quelle: Foto: Solid Modulbau

Mehrfamilienhaus in Modulbauweise: Reduzierte TGA, kurze Bauzeit

Ein Praxisbeispiel ist ein 2020 realisiertes Mehrfamilienhaus in Wuppertal mit 56 Wohnungen und Tiefgarage. Das Gebäude wurde im KfW-40-Plus-Standard in massiver Modulbauweise errichtet. Auf dem Dach erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 110 Kilowatt Leistung Solarstrom, ergänzt durch einen Batteriespeicher mit 50 Kilowattstunden Speicherkapazität.

Beheizt wird das Gebäude über 208 Infrarotpaneele an den Decken der Wohnungen, die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über Durchlauferhitzer. Aus Sicht der Projektbeteiligten war insbesondere der Verzicht auf wasserführende Wärmeverteilsysteme entscheidend, da dies Planung und Montage vereinfachte. Betriebserfahrungen und Energiebilanzen werden auf der Konferenz vorgestellt.

Wohnquartier in Karlstadt: Investitionskosten im Vergleich

Ein weiteres Beispiel stammt aus Karlstadt im Landkreis Main-Spessart. Dort entstanden 14 Gebäude in Holzständerbauweise mit Effizienzhaus-40-Standard und insgesamt 40 Wohnungen. Installiert wurden 206 Infrarotpaneele mit Leistungen von 550 beziehungsweise 900 Watt.

Im direkten Kostenvergleich lag eine zentrale Wärmepumpenlösung bei kalkulierten Investitionskosten zwischen 676.000 und 852.000 Euro. Das Infrarotheizsystem verursachte hingegen rund 88.000 Euro netto. Zwar fallen im Betrieb höhere Stromkosten an, doch laut Projektverantwortlichen kompensiert die geringere Anfangsinvestition diesen Unterschied über einen langen Zeitraum. Für Kommunen und Planende zeigt das Projekt, wie stark sich die Wahl des Heizsystems auf Bauzeit, Kostenstruktur und technische Komplexität auswirken kann.

Bestandssanierung: Westerwälder Hof

Auch im Bestand wurde Infrarotheiztechnik eingesetzt – beim Westerwälder Hof in Welschneudorf, einer ehemaligen Gaststätte aus dem 17. Jahrhundert. Das revitalisierte Ensemble umfasst heute 26 geförderte Wohnungen, Gewerberäume sowie eine Landarztpraxis im KfW-40-EE-Standard.

Das Energiekonzept kombiniert Infrarotheizungen mit einer Photovoltaikanlage (138 Kilowatt), einem Batteriespeicher (90 Kilowattstunden) und dezentraler Lüftung. Ziel war es, TGA-Kosten zu begrenzen und Wartungsaufwand zu reduzieren. Ergänzend wurde ein Mieterstrommodell umgesetzt, um lokal erzeugten Solarstrom direkt im Gebäude zu nutzen. Auch hier sollen Wirtschaftlichkeitsdaten und Betriebserfahrungen vorgestellt werden.

Austausch zu Planung, Wirtschaftlichkeit und Wärmewende

Die Konferenz am 16. April 2026 in Würzburg richtet sich an Architekturbüros, Wohnungsunternehmen, Kommunen sowie FachplanerInnen. Neben Praxisberichten stehen Kostenvergleiche, Energiebilanzen und Erfahrungen aus Planung und Betrieb im Fokus. Diskutiert wird zudem, wie sich Infrarotheiztechnik in langfristige Energiestrategien integrieren lässt – etwa in Kombination mit Photovoltaik, Batteriespeichern oder dynamischen Stromtarifen.

Bereits am 15. April 2026 findet am gleichen Ort der 6. Runde Tisch der Infrarotheizungsbranche statt. Diese Branchentagung richtet sich an Mitarbeitende der Infrarotheizungsbranche sowie an Fachleute angrenzender Bereiche mit ersten Projekterfahrungen.

Weitere Informationen, Programm und Anmeldung: https://ig-infrarot.de/

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