Stromausfall als Warnsignal: Warum resiliente Netze und dezentrale Energieversorgung jetzt entscheidend sind
Nach dem großflächigen Stromausfall im Berliner Versorgungsnetz am Samstag, den dritten Januar 2026, sind inzwischen alle betroffenen Haushalte wieder mit Elektrizität versorgt. Die schrittweise Wiederinbetriebnahme der Netzabschnitte hat die akuten Folgen zwar beseitigt, die grundlegende Problematik jedoch offengelegt. Der mutmaßliche Anschlag hat gezeigt, wie verwundbar zentrale Energieinfrastrukturen sind. In hochvernetzten Gesellschaften kann bereits ein einzelner Vorfall weitreichende Auswirkungen entfalten. Die wirtschaftlichen Schäden eines solchen Ereignisses sind erheblich und reichen weit über den unmittelbaren Versorgungsausfall hinaus.
Netze widerstandsfähiger gestalten und Risiken minimieren
Vor dem Hintergrund internationaler Spannungen und zunehmender hybrider Bedrohungen werten Fachleute den Vorfall als ernstzunehmendes Warnsignal. Seit Langem mahnen Experten an, kritische Infrastrukturen in Deutschland konsequenter zu schützen und robuster auszulegen. Dabei geht es auch um eine stärkere Vorbereitung auf Extrem- und Krisenszenarien. „Wir müssen uns auf den Ernstfall einstellen und die Stromnetze deutlich resilienter machen“, betont Thomas Bürkle, Vizepräsident des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). Dazu zählen laut Bürkle neben belastbaren Notfallkonzepten auch eine engmaschigere Netzplanung, der verstärkte Einsatz zusätzlicher Transformatoren sowie der Ausbau von Ringleitungen, um im Störungsfall die Auswirkungen räumlich zu begrenzen.
Dezentralität stärken durch Photovoltaik und Speicherlösungen
Auch private Haushalte können zur eigenen Versorgungssicherheit beitragen, insbesondere durch die Kombination aus Photovoltaikanlage und Stromspeicher. Selbst erzeugte und gespeicherte Energie steht in einem solchen System auch dann zur Verfügung, wenn das öffentliche Netz ausfällt. Zwar ist der Nutzen in sonnenreichen Monaten deutlich höher als in der dunklen Jahreszeit. Dennoch rechnet sich die Investition, da die Abhängigkeit von Strom im Zuge der Elektrifizierung weiter zunimmt. Entscheidend ist dabei, dass die PV-Anlage über eine Notstrom- oder Ersatzstromfunktion verfügt, die eine sichere Netztrennung ermöglicht.
Für Mieterinnen und Mieter sowie Eigentümerinnen und Eigentümer von Wohnungen in Mehrparteienhäusern bietet sich das bidirektionale Laden als Alternative an. Elektrofahrzeuge können dabei als mobile Speicher dienen und zuvor aus dem Netz bezogenen Strom wieder ins Hausnetz einspeisen. Voraussetzung ist allerdings, dass sowohl Fahrzeug als auch Ladeinfrastruktur technisch dafür ausgelegt sind. Unterstützend wirkt, dass der Gesetzgeber mit Anpassungen im Stromsteuergesetz sowie mit Änderungen im Energiewirtschaftsrecht Ende Dezember wichtige regulatorische Voraussetzungen für bidirektionales Laden geschaffen hat.
Angesichts einer zunehmend elektrifizierten Gesellschaft wächst zugleich die Verwundbarkeit gegenüber Störungen der Stromversorgung. Thomas Bürkle appelliert daher sowohl an Netzbetreiber als auch an Verbraucher, sich frühzeitig mit Absicherungsstrategien auseinanderzusetzen. Die rund 50.000 e-handwerklichen Betriebe in Deutschland verfügten über das notwendige Fachwissen, um bei Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zu unterstützen.
Qualifizierte e-handwerkliche Innungsfachbetriebe in der Nähe sind über die Fachbetriebssuche unter www.elektrobetrieb-finden ganz leicht unter Eingabe der Postleitzahl zu finden.
