Effiziente Biogasproduktion nach der EEG-Novelle 2014

Die Teilnehmer des Praxistages mit den Organisatoren Sonja Wiesgickl (vorne, zweite von links) und Markus Bäuml (vorne, erster von links) (© Fraunhofer UMSICHT)
Die Teilnehmer des Praxistages mit den Organisatoren Sonja Wiesgickl (vorne, zweite von links) und Markus Bäuml (vorne, erster von links) (© Fraunhofer UMSICHT)

Die jüngste Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetz hat den Zubau von neuen Biogasanlagen stark eingedämmt. Umso größer ist das Interesse an Technologien zur Verbesserung der Effizienz bei der Biogasproduktion. Individuelle Konzepte zur Abwärmenutzung und ein bestmögliches Gärrestmanagement stellen zwei mögliche Ansatzpunkte dar.

Etwa 40 Besucher waren Anfang April 2015 der Einladung des Fachverbandes Biogas und Fraunhofer UMSICHT nach Sulzbach-Rosenberg gefolgt und informierten sich vor Ort über neue Biogastechnologien. Sonja Wiesgickl, Organisatorin des Praxistages von Fraunhofer UMSICHT beschrieb bei der Begrüßung der Teilnehmer die Situation: „Strom aus Biogas ist ein wesentlicher Baustein des deutschen Energiemix. Jedoch findet derzeit nach dem Boom der vergangenen Jahre eine Konsolidierung der Biogasbranche statt.“ Markus Bäuml vom Fachverband Biogas ergänzte: „Zukünftig werden wir unsere bestehenden Anlagen noch effizienter nutzen müssen. Der technologische Fortschritt und kompetente Beratung werden den Betreibern helfen ihre Anlagen noch wirtschaftlicher zu betreiben.“

Mit der Zahl der Biogasanlagen sind auch die Mengen an Gärresten stetig gestiegen. Gerade in Regionen mit hoher Viehdichte kann es zu Überdüngung kommen – der sinnvolle Einsatz der Gärreste wird dann zur Herausforderung. Einen Lösungsansatz bieten Konzepte zum bestmöglichen Gärrestmanagement. Andreas Weger von Fraunhofer UMSICHT stellte mit dem thermo-katalytischen Reforming (TCR-Verfahren) eine Möglichkeit vor, mit den Rückständen nachhaltig umzugehen. Mit dem TCR-Verfahren werden die Gärreste in drei hochwertige Konversionsprodukte Öl, Gas und Biokohle umgewandelt. Mit der Biokohle kann dann wiederum möglichen Nährstoffüberschüssen vorgebeugt werden, indem der Stickstoffanteil im flüssigen Gärrest um 30 bis 50 Prozent reduziert wird.

Eine weitere Option den Betrieb von Biogasanlagen wirtschaftlicher zu gestalten, besteht in individuellen Wärmekonzepten für Biogasanlagenstandorte. Denn bei der Produktion von Strom aus Biogas fällt zusätzlich zu elektrischer Energie auch Wärme an. Fehlt ein Fernwärmenetz, wird diese bislang oft ungenutzt an die Umgebung abgegeben. Um dem entgegenzuwirken können mobile Latentwärmespeicher eingesetzt werden, wie Marco Deckert von Fraunhofer UMSICHT erläuterte. Die Wärme wird dann zwei Mal pro Tag von der Anlage zum Abnehmer transportiert. Deckert präsentierte ein ganzheitliches Konzept mit passendem Business Case, der die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens unterstreicht. Beim Rundgang durch das Technikum von Fraunhofer UMSICHT konnten die Teilnehmer einen mobilen Wärmespeicher begutachten, der bereits erfolgreich in der Praxis eingesetzt wird.

Mittlerweile stagniert die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland bei etwa 8000. In der Vergangenheit gab es zunehmend Kritik an der Energieform, selbst Befürworter der Energiewende äußerten sich negativ. So wurde beispielsweise manchen Gebieten eine zunehmende Vermaisung attestiert. Zudem flammte die „Teller-Tank-Diskussion“ immer wieder aufs Neue auf. Nach der letzten Novellierung des EEG ist ein weiterer Zubau von neuen Anlagen nicht oder nur sehr eingeschränkt zu erwarten. Jedoch gibt es nennenswerte Potenziale, die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen zu erhöhen. Die Wissenschaftler von Fraunhofer UMSICHT beschäftigen sich mit verschiedenen Ansätzen rund um dieses Thema.

Weitere Informationen: www.umsicht-suro.fraunhofer.de