Die Rolle der Förderung bei der Wirtschaftlichkeit neuer Photovoltaikanlagen

Autor/Redakteur: Timo Mielke, Chefplaner bei der Powertrust GmbH/gg

Im Jahr 2000 wurde in Deutschland das EEG eingeführt. 20 Jahre plus das Installationsjahr werden Photovoltaikanlagen mit EEG-Förderung unterstützt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Was sich geändert hat, sind die Bedingungen und Beträge, mit denen Photovoltaikanlagen heute gefördert werden.

Bild: Powertrust

EEG-Förderung als Starthelfer

Photovoltaik ist heute die günstigste Art, Strom zu erzeugen – und zwar weltweit. Ohne das EEG wäre das sicher nicht möglich gewesen, und Deutschland war in den ersten Jahren beim Photovoltaik-Zubau weltweit führend. Bis 2009 waren Photovoltaikanlagen in Deutschland reine Einspeiseanlagen, finanziert durch die EEG-Förderung. 2009 kam für eine kurze Zeit die geförderte Eigenversorgung, die schnell wieder abgeschafft wurde – sie war angeblich zu erfolgreich. Ab dem Jahr 2012 hat sich das Verhältnis von Einspeisung zu Eigenverbrauch gedreht – durch steigende Strompreise einerseits und sinkende Preise für PV-Komponenten andererseits. Heute planen wir alle Gewerbe-, Landwirtschaft- und Privatanlagen für maximalen Eigenverbrauch. Netzeinspeisung erfolgt nur, wenn alle Stromspeicher vollgeladen sind und am Standort keine Verbraucher bedient werden können.

EEG 2021 bremst Ausbau mit Phototovaltikanlagen > 30 kWp

Durch das EEG 2021 wurde für kleine, privat genutzte Anlagen einiges besser wie zum Beispiel die Anhebung der Grenze der Eigenverbrauchsabgabe von 10 Kilowatt Peak auf 30 Kilowatt Peak. Allerdings erschwerten die letzten EEG-Novellen, besonders die des EEG 2021, die Realisierung großer PV-Anlagen – das zeigen sinkende Installationszahlen. Das Bundeswirtschaftsministerium sollte das EEG dringend nachbessern, wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen soll. 

Wirtschaftlichkeitsberechnung von Photovoltaik heute

Das Maß für Wirtschaftlichkeit ist der Stromverbrauch am Standort. Wenn ein Lastprofil vorliegt – und das ist bei einem Verbrauch ab 100.000 Kilowattstunden pro Jahr immer der Fall – wird das zur Systemplanung herangezogen. Bei kleinerem Verbrauch, bei dem kein Lastprofil vorliegt, werden der Jahresstromverbrauch und Informationen zum Verbrauchsverhalten zugrunde gelegt. Im Zweifelsfall wird eine Lastmessung über einen längeren Zeitraum beim Kunden erstellt. Auf jeden Fall werden Anlagen immer an den Verbrauch angepasst – für maximalen Eigenverbrauch und minimale Einspeisung ins Netz, denn dann ist die Wirtschaftlichkeit am größten. Die EEG-Förderung ist wesentlich geringer als die Einsparung durch Nutzung von selbst erzeugtem Photovoltaikstrom. Trotzdem spielt die EEG-Förderung noch eine gewisse Rolle, weil praktisch  jede Photovoltaikanlage immer mal wieder überschüssigen Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Bei 95 Prozent Eigenverbrauch, wie es bei gewerblichen Photovoltaiksystemen durchaus vorkommen kann, ist die EEG-Förderung aber kein Entscheidungskriterium für die Anlagen-Wirtschaftlichkeit – sie ist ein kleines und ein bürokratisches Element. Das gilt vor allem für neue Photovoltaik für Gewerbe und Landwirtschaft.