Interview mit Schneider Electric zum Thema „Internet der Dinge und Smart Homes“

Wir haben ein Interview mit Carsten Dorendorf, Manager Offer Management ECO-Business bei Schneider Electric zum Thema „Internet der Dinge und Smart Homes“ geführt.

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DeinEnergieportal: „Zur Zeit überschwemmen internetfähige Produkte den Markt. Egal ob es sich um den schon oft beschriebenen internetfähigen Kühlschrank oder um eine Heizung handelt, die sich über eine mobile App aus der Ferne steuern lässt, die Zukunft scheint den Komponenten zu gehören, die über einen Anschluss an das weltweite Datennetz verfügen. Ist dieser Trend Ihrer Meinung nach nur für Endverbraucher relevant, oder spielt er auch eine Rolle für die Industrie, Stromerzeuger und ähnliche Organisationen?“

Dorendorf: „Dieser Trend beeinflusst auch Industrie und Stromerzeuger maßgeblich. Sie profitieren beispielsweise von neuen Services. Das bedeutet etwa, Anlagen bedarfsgerecht zu warten, anstatt einfach in einem regelmäßigen Turnus. Eine schnelle Fehlerbehebung gehört auch zu den Vorteilen der industriellen Vernetzung. Stromerzeuger profitieren wiederum von Energiedaten, mit denen sie die Stromnetze besser steuern können. Durch das Sammeln und Vergleichen von Energiedaten lassen sich Empfehlungen ausarbeiten, mit denen sowohl der Energieverbrauch als auch die Kosten reduziert werden können. Damit das in der Praxis funktioniert, gilt es, eine Verbindung zwischen Verbrauchern, Maschinen, dezentralen Stromspeichern, Photovoltaik und Elektromobilität zu schaffen und alle diese Elemente in Smart Grids einzubinden. Ein solches System ist ein Teil des Energienetzes und unterstützt die Energiewende, indem es Energiedaten mit dem Versorgungsnetzbetreiber austauscht. Schneider Electric bietet dafür Prosumer Home, ein intelligentes Haussteuerungssystem für erneuerbare Energien und Elektromobilität.“

DeinEnergieportal: „Immer wenn man mit dem Internet zu tun hat, stellt sich die Frage nach der Sicherheit. Zurzeit werden mehr Daten geklaut, als jemals zuvor und um die Sicherheit von Benutzerkonten steht es auch nicht immer zum Besten. Lässt sich nach Ihrer Ansicht wirkungsvoll verhindern, dass Hacker mit internetfähigen Anlagen wie beispielsweise der eben genannten Heizung, Schindluder treiben? Es ist ja nicht wünschenswert, dass irgendjemand während des Sommerurlaubs den Hauszugang hackt und dann zum Spaß tage- oder sogar wochenlang die Heizung auf der höchsten Stufe arbeiten lässt.“

Dorendorf: „Um Sicherheit zu gewährleisten, muss eine ganze Reihe von Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört, auf eine Zertifizierung der Cloud-Anbieter in Sachen Datensicherheit zu achten. Eine zweistufige Passwort- oder Zugangsvalidierung sorgt für zusätzliche Sicherheit. Es empfiehlt sich außerdem, diverse Leichtsinnsfehler zu vermeiden: Zugängliche Netzwerk- oder KNX-Kabel haben außerhalb von Gebäuden nichts verloren. Auch veraltete Systeme – etwa nicht mehr zeitgemäße WEP-Verschlüsselung – öffnen Hackern Tür und Tor. Hier liegt es in der Verantwortung der Hersteller, keine netzwerkfähigen Geräte ohne voreingestellte Verschlüsselung auszuliefern, um die Anwender zu schützen. Im Bereich des Smart Home muss diesem Umstand besonders Rechnung getragen werden.“

DeinEnergieportal: „In welchen Einsatzbereichen der Energie- und Haustechnik sind Ihrer Meinung nach internetfähige Produkte besonders sinnvoll?“

Dorendorf: „Aus Kostensicht machen sich Analysen besonders bezahlt: Durch die Internetfähigkeit wird ein vernetztes Energiemanagement über mehrere Standorte hinweg möglich. Unternehmen und Privathaushalte können so ihre Daten analysieren und die Energieeffizienz steigern. Außerdem lassen sich Komfort- und Sicherheitsanwendungen realisieren. Dazu zählen zum Beispiel die szenenbasierte Heizungs- und Lichtsteuerung, aber auch Bewegungsmelder und Kameras für die Raumüberwachung. Auch im Bereich der Zutrittskontrolle profitieren Anwender stark von webbasierten Anwendungen. So können sie auf dem Smartphone in hoher Bild- und Tonqualität sehen, wer an der Tür steht und direkt mit Besuchern kommunizieren. Im Unternehmensbereich sind Anwendungen wie das Management von Haus-Zugangskontrollen für Mitarbeiter, Kunden und Dienstleister denkbar.“

DeinEnergieportal: „Welche weiteren Konsequenzen werden sich aus dem Internet der Dinge und der zunehmenden Verbreitung von Smart Homes ergeben?“

Dorendorf: „Wir sehen die Notwendigkeit, herstellerübergreifende Standards zu definieren und auf ihrer Basis plattformübergreifende Lösungen zu liefern. Damit verbunden ist eine zunehmende Kommunikation im Bereich der verschiedenen Gewerke untereinander unabdingbar. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass Anwender von sich aus immer mehr Einfluss auf den Automationsgrad des Hauses nehmen wollen und passende Lösungen einfordern.“