Wärmepumpe im Sommer: So funktioniert Kühlen ohne Klimaanlage
Sommerhitze gehört mittlerweile zum festen Bestandteil der warmen Jahreszeit in Deutschland. Viele HausbesitzerInnen suchen deshalb nach Möglichkeiten, ihre Innenräume angenehm kühl zu halten, ohne eine separate Klimaanlage anzuschaffen. Eine Option kann die vorhandene oder geplante Wärmepumpe sein, denn bestimmte Anlagen lassen sich neben dem Heizen auch zum Kühlen nutzen. Dabei wird grundsätzlich zwischen aktivem und passivem Kühlen unterschieden, die sich in Technik, Leistung und Energiebedarf unterscheiden. Die Verbraucherzentrale NRW hat dazu fünf zentrale Punkte zusammengestellt, die EigentümerInnen kennen sollten.

Aktives und passives Kühlen im Unterschied
Bei der Kühlung mit einer Wärmepumpe gibt es zwei technische Wege. Beim aktiven Kühlen kommt eine sogenannte reversible Wärmepumpe zum Einsatz, bei der sich der Wärmepumpenkreislauf im Sommer umkehrt: Statt Wärme von außen ins Gebäude zu transportieren, wird sie aus den Innenräumen nach außen abgeführt. Diese Variante ist sowohl bei Luft-Wasser-Wärmepumpen als auch bei Sole-Wasser- und Wasser-Wasser-Wärmepumpen möglich. Beim passiven Kühlen, das ausschließlich mit Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen funktioniert, wird die Gebäudewärme über einen Wärmetauscher an das kühlere Erdreich oder Grundwasser abgegeben. Diese Methode liefert zwar eine geringere Kühlleistung als das aktive Kühlen, arbeitet dafür aber besonders energiesparend. Ein positiver Nebeneffekt: Die im Sommer eingebrachte Wärme regeneriert die Erdsonde einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und verbessert dadurch die Effizienz in der folgenden Heizperiode. Welche Kühlart überhaupt infrage kommt, hängt von der jeweiligen Wärmepumpe ab.
Kühlfunktion frühzeitig mitplanen
Wer die Kühlfunktion später nutzen möchte, sollte dies idealerweise schon bei der Anschaffung der Wärmepumpe berücksichtigen. Für aktives Kühlen ist eine Anlage mit reversibler Funktionsweise notwendig, zudem müssen passende Kühlflächen vorhanden sein. Klassische Heizkörper eignen sich dafür kaum: Ihre kleine Fläche und der geringe Temperaturunterschied begrenzen die Wirkung, außerdem kann an ihrer kalten Oberfläche Kondenswasser entstehen. Deutlich besser geeignet sind Flächenheizungen. Unter bestimmten technischen Voraussetzungen lässt sich eine Kühlfunktion auch bei bereits installierten Wärmepumpen nachrüsten.
Realistische Erwartungen an die Kühlleistung
Passives Kühlen verläuft langsamer und gleichmäßiger als bei einer klassischen Klimaanlage, da eine Flächenheizung träge reagiert. Realistisch sind in der Regel Abkühlungen von zwei bis vier Grad. Eine vorausschauende Planung der Kühlregelung ist daher sinnvoll. Bei Sole-Wasser-Wärmepumpen, insbesondere mit Flächenkollektoren, kann die Kühlleistung im Laufe des Sommers nachlassen, weil sich das Erdreich erwärmt und der Temperaturunterschied sinkt. Passives Kühlen eignet sich somit vor allem für eine leichte, gleichmäßige Abkühlung des Gebäudes – ergänzt durch Verschattung und nächtliches Lüften lässt sich der Kühlbedarf zusätzlich reduzieren.
Taupunktüberwachung als Sicherheitsfaktor
Da bei der Kühlung über Heizflächen keine Entfeuchtung der Luft stattfindet, ist eine zuverlässige Taupunktüberwachung wichtig. Sie sorgt dafür, dass Heizflächen, Leitungen und Verteiler nicht so weit abkühlen, dass sich Feuchtigkeit aus der Raumluft als Kondensat niederschlägt. Andernfalls drohen unerwünschte Nässe und Schimmelbildung. Die Taupunktüberwachung minimiert dieses Risiko und ist damit ein zentraler Bestandteil eines sicheren Kühlbetriebs.
Energieverbrauch beim Kühlen beachten
Aktives Kühlen erhöht den Stromverbrauch der Wärmepumpe und wirkt sich zusätzlich zum Heizbetrieb auf die Klimabilanz aus. Um die volle Kühlleistung nutzen zu können, ist außerdem eine Entfeuchtung der Raumluft erforderlich, etwa über Gebläsekonvektoren oder Lüftungsanlagen. Eine unkompliziertere Alternative bieten Luft-Luft-Wärmepumpen, die technisch wie klassische Klimasplitgeräte funktionieren und im Sommer entsprechend eingesetzt werden können. Besonders sparsam ist dagegen das passive Kühlen mit einer Grundwasser- oder Erdwärmepumpe, bei dem lediglich Strom für die Umwälzpumpen anfällt. Noch klimafreundlicher wird die Kühlung, wenn der benötigte Strom aus einer eigenen Photovoltaikanlage stammt – so lassen sich Wohnkomfort und Energieeffizienz sinnvoll kombinieren.
Weiterführende Informationen:
- Alles rund um die Wärmepumpe: https://www.verbraucherzentrale.nrw/node/5439
- Der Ratgeber „Wärmepumpe“ kann hier bestellt werden: https://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/bauen-wohnen/ratgeber-w%C3%A4rmepumpe-46009215
- Aktuelle Veranstaltungen rund um das Thema Energie: www.verbraucherzentrale.nrw/e-veranstaltungen
