Kommunales Nahwärmenetz im Ortsteil Oberdorf eingeweiht

Der Ortsteil Oberdorf in Teningen mit dem neuen Wärmenetz (Foto: endura kommunal)
Der Ortsteil Oberdorf in Teningen mit dem neuen Wärmenetz (Foto: endura kommunal)

Am 23. Oktober 2015 ist in Teningen das neue Nahwärmenetz im Ortsteil Oberdorf feierlich eingeweiht worden. Die Gemeinde am Südwestrand des Schwarzwaldes treibt damit die südbadische Energiewende voran: 176 Haushalte, ein Schulzentrum sowie zwei Kindergärten beziehen jetzt klimafreundliche Energie von einer Holzhackschnitzel-Heizung und einer Biogasanlage. Sie sparen umgerechnet 295.000 Liter Heizöl und 1.058 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Betreiber des Anfang Oktober in Betrieb gegangenen Wärmenetzes ist die Nahwärmeversorgung Teningen GmbH. Das Besondere: Sie arbeitet bürgerorientiert und nicht in erster Linie gewinnorientiert. Mitinitiator des Projekts waren Experten der Firma „endura kommunal“ aus Freiburg – sie begleiteten die Gemeinde von Beginn an. Das Projektvolumen betrug 2,4 Millionen Euro. Der Bund und das Land Baden-Württemberg förderten das Vorzeigeprojekt mit 0,4 Millionen Euro.

Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker freute sich über die erfolgreiche Fertigstellung des Projekts. Innerhalb von zwei Jahren haben Rathaus, endura kommunal und Bürgerschaft ein klimafreundliches und für alle Beteiligten wirtschaftlich solides Nahwärmeprojekt auf die Beine gestellt. Und es geht weiter: Ein zweiter Bauabschnitt in ähnlicher Größenordnung anschließend an das bestehende Gebiet folgt 2016.

„Im Ort wird das Wärmenetz künftig so selbstverständlich sein wie die Wasserversorgung“, sagte endura-kommunal-Geschäftsführer Rolf Pfeifer anlässlich der Einweihung. „Die Gemeinde spart Energie und Geld in den kommunalen Gebäuden, hält die Wertschöpfung im Ort und hat langfristige Kunden für die kommunale Betreibergesellschaft gefunden“, so Pfeifer weiter. „Hauseigentümer mit Anschluss haben geringere Wärmekosten, sind unabhängiger von den Energiepreisen und müssen sich nicht mehr um ihre Heizungsanlage kümmern.“

Mit endura kommunal fand die 11.700 Einwohner zählende Gemeinde eine Firma mit viel Erfahrung bei der Unterstützung von Gemeinden. Das Unternehmen übernahm die Erstellung des Quartierskonzepts, die Bürgerkommunikation, die Planung und die Projektentwicklung. Darüber hinaus beteiligte sie sich mit 24 Prozent an der Nahwärmeversorgung Teningen GmbH und hatte so großes Interesse am Erfolg des Projekts. 76 Prozent verblieben in der Hand der Gemeinde.

Teil des neuen Nahwärmenetzes ist eine bereits existierende Biogasanlage vor Ort mit einer Wärmeleistung von 250 Kilowatt thermischer Leistung (kWth). Bislang verpuffte die Wärme nutzlos, jetzt kommt sie über das frisch verlegte Leitungsnetz in die Haushalte. Eine zweite Wärmequelle ist eine Holzhackschnitzel-Heizung mit 600 kWth. Ein Sägewerk in der Nähe stellt sicher, dass bis zu 95 Prozent der Rohstoffe aus erneuerbaren Quellen der Region stammen. Und reicht das zu Spitzenzeiten im Winter nicht aus, schaltet sich ein Gaskessel mit 300 kWth hinzu. Drei Pufferspeicher mit insgesamt 54 Kubikmeter Fassungsvermögen gleichen Angebot und Nachfrage aus, indem sie die überschüssige Wärme zwischenspeichern.

Die Sanierung der Wärmeversorgung bot erhebliches Einsparpotenzial. Im Zuge des Quartierskonzepts wurde der energetische Zustand in dem Gebiet evaluiert: Weit über 90 Prozent nutzten fossile Energieträger, der größte Teil Gas oder Erdöl. Das Durchschnittsalter der heizöl-, erdgas- und strombetriebenen Heizanlagen lag bei 17 Jahren. Auch die kommunalen Liegenschaften, sie stehen für 8,5 Prozent des Primärenergiebedarfs im Oberdorf, hatten Heizungssysteme mit einem erheblichen Modernisierungsbedarf.

Bürgermeister und Gemeinderat gingen gleich zu Beginn des Vorhabens entschlossen voran und favorisierten ein Wärmenetz. Um erfolgreich auf eine leitungsgebundene Wärmeversorgung umzustellen, musste jedoch auch die Bevölkerung im Ortsteil gewonnen werden. Kaum eine andere Technologie ist so sehr auf breite Unterstützung angewiesen: Nur wer genügend Nutzer hat, kann die Investitionskosten so auf die Anschlussnehmer umlegen, dass die Wärmepreise konkurrenzfähig bleiben. Andererseits sind konkurrenzfähige Preise die Voraussetzung, um genügend Anschlussnehmer zu finden.

Damit in diesem Kreislauf keinem die Puste ausging, entschlossen sich die Projektpartner zu einer offensiven Bürgerinformation. Auf Nahwärmesprechstunden und individuellen Vor-Ort-Terminen besprachen die Fachleute mit den Hauseigentümern die Vorteile der Technologie, auftretende Vorbehalte und die individuellen Anforderungen wie die Höhe des Wärmebedarfs. Hinzu kamen Veranstaltungen und Werbung in den Veröffentlichungen der Gemeinde. Das Ergebnis: Bereits nach neun Monaten gab es genug Abnehmer.

Die Idee zu dem Nahwärmeprojekt tauchte erstmals 2011 auf: Die Gemeinde und endura kommunal begannen gemeinsam mit engagierten Bürgern, die Errichtung eines Nahwärmenetzes zu prüfen. Für die weiteren Aufgaben nutzte die Gemeinde das Know-how der Experten aus Freiburg, die sich mit Nahwärme, Netz-Planung, Fördermitteln und Wirtschaftlichkeitsberechnungen auskennen. Im Rahmen eines darauffolgenden Quartierskonzeptes kristallisierte sich das in den 1970er Jahren gewachsene Oberdorf als Standort für das Pilotprojekt heraus. 2013 dann erfolgten die Machbarkeitsstudie und ein Gemeinderatsbeschluss zur Gründung der Nahwärmeversorgung Teningen GmbH, der dann 2014 umgesetzt wurde. Ein Jahr später ist der erste Bauabschnitt nun vollendet.

Weitere Informationen: www.solar-consulting.de