174 Millionen Euro in die Energieeffizienz öffentlicher Gebäude investiert

Drei Geschäftsmodelle können helfen, Energieeinspar-Contracting an den individuellen Bedarf der Liegenschaften anzupassen (Grafik: EnPC-Intrans)

Energiespar-Contracting (EPC) für öffentliche Gebäude wird in Deutschland immer bekannter. Die breitere Anwendung des Effizienzinstrumentes ist jetzt auch im östlichen Teil der Europäischen Union vorangekommen. In dem Projekt EnPC-INTRANS haben Experten aus neun Ländern in den vergangenen zwei Jahren den Aufbau von Know-how auf Anbieterseite und bei Projektsteuerern unterstützt sowie die Nachfrage bei Kommunen erhöht. Auf deutscher Seite waren die KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) beteiligt.

Das Ergebnis des im Februar 2017 abgeschlossenen multinationalen Vorhabens: Informations- und Schulungsmaterialien, Veranstaltungen mit insgesamt mehr als 3000 Teilnehmern und die aktive Verbreitung von Geschäftsmodellen, die den unterschiedlichen Handlungsbedarf in öffentlichen Liegenschaften berücksichtigen. 27 Verträge mit Investitionen in Höhe von 174 Millionen Euro wurden in Deutschland, Kroatien, Rumänien, Slowenien und der Ukraine angestoßen. 20 weitere Verträge befinden sich in Vorbereitung. Informationen zum Projekt: www.enpc-intrans.eu.

Die Sanierungen wurden an unterschiedlichen öffentlichen Gebäuden, von großen Universitäten oder Krankenhäusern bis hin zu Verwaltungsgebäuden, Schwimmbädern, Schulen und Kindergärten durchgeführt. Es werden Energieeinsparungen im Strom- und Wärmesektor von bis zu 80 Gigawattstunden pro Jahr erwartet, das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 20.000 bis 25.000 Privathaushalten in Deutschland.

Eigentümern öffentlicher Liegenschaften fehlen oftmals die finanziellen Mittel für gewünschte Energieeffizienzmaßnahmen. Die Kooperation mit fachkundigen Contractoren im Rahmen von Energiespar-Contracting kann helfen, dieses Hindernis zu überwinden und Vertrauen in dieses europaweit trotz aller Fortschritte noch zu wenig genutzte Modell zu schaffen.

Ein Mittel dazu sind gut verständliche Schulungs- und Informationsmaterialien. Sie tragen maßgeblich zu mehr Vertrauen in dieses Modell bei. Die in EnPC-Intrans erstellten Unterlagen erläutern beispielsweise den grundlegenden Mechanismus des Energiespar-Contractings und berichten von erfolgreichen Praxisbeispielen sowie Geschäftsmodellen.

Die KEA erarbeitete mit ihren Partnern auch ein Berechnungs-Tool für eine grobe Eignungsbewertung potenzieller Projekte auf Basis einer kapitalwertbezogenen Cash-Flow-Bilanzierung. Entscheidungsträger, Kommunalverwaltungen und Projektsteuerer können das Tool nutzen, um auf Basis kalkulierter Energieeinsparungen, geschätzter Investitionskosten sowie mehrerer Finanzierungsvarianten einen groben Eignungstest für ihre Projekte durchzuführen.

Die Projektpartner entwickelten darüber hinaus drei Geschäftsmodelle, die Kommunen helfen, einen individuellen Weg für das Energiespar-Contracting zu finden. Beim EPC-light-Modell etwa werden Energiemanagement und Instandhaltung ohne umfangreiche Investitionen umgesetzt. EPC-light-Projekte amortisieren sich meist in nur zwei bis vier Jahren aus den garantierten Einsparungen.

Üblich ist derzeit die Sanierung der technischen Gebäudeausrüstung über das sogenannte EPC-basic mit Laufzeiten von zwölf bis 15 Jahren. Über dieses Modell wurden in Deutschland schon etliche Sanierungen auf den Weg gebracht.

Sollen umfangreiche Gebäudesanierungen angestoßen werden, kommt eher das EPC-plus-Modell in Frage. Die Energieeffizienzmaßnahmen sind dabei in umfassende Sanierungspakete eingebettet. Diese Pakete können sowohl Wärmeschutzmaßnahmen, konstruktive Maßnahmen, die Modernisierung der Inneneinrichtung als auch den Ersatz der technischen Gebäudeausrüstung umfassen. Solch integrale Investitionspakete amortisieren sich in der Regel zwar nicht in einem angemessenen Zeitraum ausschließlich aus den garantierten Energieeinsparungen, sie können aber trotzdem helfen, die finanzielle Belastung sowie das Investitions- und Einsparrisiko des Gebäudeeigentümers maßgeblich zu reduzieren. Dies beweist unter anderem das EPC-plus-Projekt des Studierendenwerks Mannheim.

Die Schulungs- und Informationsmaterialien sowie alle drei Modelle werden in den neu angestoßenen Sanierungen angewandt. Neue, erfolgreich durchgeführte Projekte können als gute Praxisbeispiele dienen. Sie stoßen die Nachfrage nach Energiespar-Contracting in öffentlichen Liegenschaften an – auch in Deutschland.

An EnPC-INTRANS (Kapazitätsaufbau für Energiespar-Contracting für die europäischen Märkte im Wandel) beteiligten sich Partner aus Deutschland, Griechenland, Kroatien, Litauen, Rumänien, Serbien, Slowenien, der Slowakei und der Ukraine. Das Vorhaben wurde durch das EU-Programm Horizon 2020 mit zwei Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen: www.energiekompetenz-bw.de und www.kea-bw.de

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