Mais/Stangenbohnen-Mischanbau – Zurück in die Zukunft

Forschungsprojekte

In einem Züchtungsprojekt schlagen die KWS Saat SE und die Universität Göttingen unter Leitung von Professor Heiko Becker nun wieder den entgegengesetzten Weg ein: Sie züchten Maishybriden und sie suchen nach Bohnensorten, die bestmöglich an den Mischanbau angepasst sind.

In einem zweiten Projekt entwickeln die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), die Universität Kassel-Witzenhausen und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Weihenstephan ein praxistaugliches Anbaukonzept für das Gemenge, sowohl für konventionelle als auch für Ökobetriebe. Beide Vorhaben werden durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert, Informationen stehen auf www.fnr.de unter den Förderkennzeichen 22003412, 22003512, 22003612 und 22003712 zur Verfügung.

Ergebnisse

Zwischen 2012 und 2014 konnten die Wissenschaftler über eine Selektion drei Mais-Experimentalhybriden identifizieren, die sehr gut an den Mischanbau mit der Bohne angepasst sind. Diese Hybriden wurden 2015 unter den Bezeichnungen KXB 5171, KXB 5172 und KXB 5173 in Kombination mit zwölf Bohnensorten weitergeprüft. Die Hybriden zeichnen sich durch eine extrem gute Stängelfäuleresistenz aus und sind deshalb in der Lage, ein hohes Bohnengewicht zu tragen. Bild 3 zeigt eine solche Hybride im Selektionsexperiment 2014 neben einer Hybride, die unter der Bohnenlast zusammengebrochen ist.

Bild 3: Neue, im Mischanbau mit Bohnen selektierte Maissorten mit extrem ausgeprägter Standfestigkeit
Bild 3: Neue, im Mischanbau mit Bohnen selektierte Maissorten mit extrem ausgeprägter Standfestigkeit

Parallel begannen die Züchter 2013 ausgehend von 236 Herkünften aus dem Handel und aus Genbanken nach geeigneten Stangenbohnen-Sorten zu suchen.

Bild 4: Herkömmliche, moderne Garten-Stangenbohne (links) und eine für den Mischanbau mit dem Mais geeignete Stangenbohnesorte (rechts)
Bild 4: Herkömmliche, moderne Garten-Stangenbohne (links) und eine für den Mischanbau mit dem Mais geeignete Stangenbohnesorte (rechts)

Recht schnell stellten sie fest, dass Sorten wie die italienische ‚Anellino verde‘, ‚Anellino giallo‘ und ‚Meraviglia di venezia‘ das Zweieinhalbfache der modernen Garten-Stangenbohnen leisten. Zudem sind diese Sorten schon recht kälteverträglich und können bei günstiger Witterung mit dem Mais zusammen ausgesät werden, sonst empfiehlt sich eine spätere Aussaat im Zwei- bis Dreiblattstadium des Maises.

Interessierte Landwirte können Saatgut dieser Bohnensorten in beschränkten Mengen für einen ersten Probeanbau zur Aussaat in 2016 bei der KWS beziehen. Schmidt weist aber darauf hin, dass die Analysen der Methanausbeuten noch ausstehen. Wenn möglich, sollen sie noch vor der Aussaat 2016 erfolgen.

Um die vielversprechendsten Bohnensorten zu prüfen, standen 2015 an mehreren Versuchsstandorten 64 Mais/Bohnen-Kombinationen im direkten Vergleich mit 16 Reinanbauten. Bild 5 zeigt die vorläufigen Ergebnisse vom Standort Einbeck: Die im Jahr 2014 für den Mischanbau selektierten KXB-Maishybriden konnten in Kombination mit einigen Bohnensorten das Ergebnis der gleichen Maissorte im Reinanbau sogar schon übertreffen. Und auch bei der zugelassenen Maissorte Fernandez wurde der Reinanbau-Ertrag durch eine der Mischungsvarianten immerhin erreicht.

Bild 5: Gesamttrockenmasse (GTM)-Erträge von acht Maissorten bei zwei Bestandesdichten im Reinanbau (N = niedrig, H = hoch) und im Mischanbau mit vier beziehungsweise zwölf Bohnensorten
Bild 5: Gesamttrockenmasse (GTM)-Erträge von acht Maissorten bei zwei Bestandesdichten im Reinanbau (N = niedrig, H = hoch) und im Mischanbau mit vier beziehungsweise zwölf Bohnensorten

Fernandez ist dann auch die Maissorte, die Schmidt für einen Probe-Mischanbau mit den Bohnensorten ‚Anellino verde‘, ‚Anellino giallo‘ und ‚Meraviglia di venezia‘ empfiehlt. Die drei Experimentalhybriden KXB 5171 – 73 sind noch nicht zugelassen, sollen aber die Basis für spätere Sortenzulassungen darstellen. Da Bohnen im Vergleich zu Mais tendenziell geringere Trockensubstanzgehalte aufweisen, sollte der Landwirt grundsätzlich eine Maissorte wählen, die etwas früher abreift als diejenigen, die er im Reinanbau anbaut.

Bild 6: Maissorte Fernandez mit Bohnensorte 'Anellino verde', beide Partner mit 7,5 Pflanzen pro Quadratmeter bilden einen perfekten Bestand. Im Bild Friedemann Ebner, Bohnenzüchter bei der Sativa Rheinau AG, Rheinau/ Schweiz.
Bild 6: Maissorte Fernandez mit Bohnensorte ‚Anellino verde‘, beide Partner mit 7,5 Pflanzen pro Quadratmeter bilden einen perfekten Bestand. Im Bild Friedemann Ebner, Bohnenzüchter bei der Sativa Rheinau AG, Rheinau/ Schweiz.