Mais/Stangenbohnen-Mischanbau – Zurück in die Zukunft

Autorin/Redakteur: Nicole Paul, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR)/gg

Bild 1: Mais/Stangenbohnen-Mischanbau in Peru
Bild 1: Mais/Stangenbohnen-Mischanbau in Peru

Schon lange bevor der Mais nach Europa kam, war er in vielen Ländern Nord-, Mittel- und Südamerikas die wichtigste Nutzpflanze. Allein in Peru gibt es über 3000 Maissorten. Traditionell wurde der Mais in diesen Ländern nicht alleine, sondern in Mischkultur angebaut. Seit mindestens 2000, eventuell sogar schon seit 6000 Jahren existiert etwa das Mischanbausystem „Milpa“, bei dem Mais, Stangenbohnen und Kürbisse gemeinsam auf einem Feld wachsen und sich dort, aber auch „auf dem Teller“, vorteilhaft ergänzen: Der Mais ist der Leistungsträger, der der Bohne Halt gibt und Kohlenhydrate liefert. Die Bohne kann Luftstickstoff nutzbar machen und bereichert den Speiseplan mit wertvollem Eiweiß, der Kürbis als Bodendecker schließlich reduziert Verdunstung und Unkräuter und steuert zur Ernährung Kohlenhydrate und Vitamine bei.

Mehr Biodiversität, weniger Stickstoff

Dr. Walter Schmidt war beim Pflanzenzucht-Unternehmen KWS Saat SE 36 Jahre lang Maiszüchter und 25 Jahre Leiter des deutschen KWS-Maiszüchtungsprogrammes. Heute betreut er als Berater unter anderem Forschungs- und Züchtungsvorhaben, die darauf zielen, Elemente aus dem traditionellen Mischanbau auf den modernen Pflanzenanbau zu übertragen. Kürbisse bleiben dabei erst mal außen vor, „aber auch das Duo Mais-Bohnen hat schon das Potenzial, im Idealfall auf einem erheblichen Teil der 900.000 Hektar Energiemaisfläche hierzulande höchste Erträge, Biodiversität und Stickstofffixierung zu verbinden“, sieht Schmidt große Möglichkeiten in dem Ansatz (Bild 1).

Koevolutionäre Pflanzenzüchtung

Um diesem Ansatz zum Durchbruch zu verhelfen, bedarf es der Wieder-Etablierung einer, wie Schmidt es nennt, „koevolutionären Pflanzenzüchtung“. Damit ist die Selektion beider Partner auf ihre Eignung zum Mischanbau gemeint, die in Ländern wie Peru und Mexiko mindestens 2000 Jahre lang praktiziert wurde: Man selektierte für die nächste Aussaat immer nur die Pflanzen, die offensichtlich Vorteil aus der Partnerschaft zogen. Diese wechselseitige Anpassung ist bei den heutigen Sorten, die alle für den Reinanbau gezüchtet wurden, zum Teil verloren gegangen: Viele moderne Maissorten sind nicht standfest genug, um eine zusätzliche Bohnenlast von bis zu 200 dt/ha Frischmasse zu tragen und sie sind im feuchteren Mikroklima des Mischbestandes zu anfällig für Stängelfäule.

Auch die heutigen, modernen Garten-Stangenbohnen eignen sich nicht für den Mischanbau: Sie wurden auf Frühreife gezüchtet und auf geringe Blattmasse, um das Bohnenpflücken zu erleichtern. Dadurch fehlt ihnen die für die Biogasproduktion wichtige Biomasseleistung. Und für eine gemeinsame frühe Aussaat mit dem Mais mangelt es ihnen an der nötigen Kältetoleranz.

Bild 2: Unkraut ist für Mais ein Konkurrent – die Bohne eine Partnerin (In den mittleren Reihen mit Bohnen wurde das Unkraut mit der Handhacke entfernt, daneben nicht. Teilprojekt "Mischkultur von Mais und Stangenbohnen im ökologischen Anbau" FKZ 22003712, Alle Fotos: Walter Schmidt)
Bild 2: Unkraut ist für Mais ein Konkurrent – die Bohne eine Partnerin (In den mittleren Reihen mit Bohnen wurde das Unkraut mit der Handhacke entfernt, daneben nicht. Teilprojekt „Mischkultur von Mais und Stangenbohnen im ökologischen Anbau“ FKZ 22003712, Alle Fotos: Walter Schmidt)

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