Interview mit WIRSOL zum Thema „Zukunft der Solarenergie“

Wir haben ein Interview mit WIRSOL-Geschäftsführer Dr. Peter Vest01 zum Thema „Zukunft der Solarenergie“ geführt.

WIRSOL Geschäftsführer Peter Vest
WIRSOL Geschäftsführer Peter Vest

DeinEnergieportal: „Nach Meinung vieler Institutionen befindet sich die Solarenergie auf dem Weg, in etlichen Regionen der Erde zur günstigsten Energieform zu werden. Wie wird sich der Markt Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren entwickeln?“

Dr. Vest: „In vielen Regionen der Erde ist die Solarenergie bereits die günstigste Energieform, denn die Kosten der selbst produzierten und verbrauchten Solarenergie sind auch überall in Europa niedriger als der Strombezug vom Versorger – sogar in Deutschland, obwohl hier die EEG-Umlage den eigenverbrauchten Solarstrom belastet und so die ökologisch und ökonomisch sinnvollste Erzeugungsform sinnlos verteuert. Damit der Klimawandel gebremst werden kann, wird der CO2-Ausstoß mittelfristig verteuert werden müssen und zwar entweder durch Besteuerung oder durch die Verknappung von Zertifikaten, die politisch viel zu üppig zugeteilt wurden – damit wird die Solarenergie im Vergleich nochmals attraktiver. Aber auch bei uns ist die Photovoltaik schon heute durch intelligente Lösungen zur Optimierung des Eigenverbrauchs, Direktvermarktung und Mieterstrom-Modell wieder auf dem Weg nach vorn und ermöglicht attraktive Konzepte auch unabhängig von gesetzlichen Einspeisevergütungen.“

DeinEnergieportal: „Es ist ja nicht nur so, dass Solarmodule immer preisgünstiger werden, weil die Stückzahlen steigen, sondern es gibt auch viele Neuentwicklungen, sowohl bei den Modulen selbst, als auch bei der Fertigung, die eine Senkung der Preise ermöglichen. Auch der Wirkungsgrad nimmt zu und neue Ansätze, wie beispielsweise Dünnschicht-Photovoltaik, ermöglichen zusätzliche Verbesserungen. Was, denken Sie, wird davon in Zukunft die wichtigste Rolle spielen?“

Dr. Vest: „Zum einen: Preissenkungen wären längst auf breiter Front möglich, wenn die unsinnigen Minimum-Importpreise in die EU abgeschafft würden. Zum anderen: Technischer Fortschritt hat natürlich zu sukzessiven Verbesserungen bei allen Modul-Typen geführt und auch Dünnschicht-Module insbesondere bei bestimmten geographischen und meteorologischen Verhältnissen konkurrenzfähig gemacht. Viel wichtiger als der technische Fortschritt bei Modulen ist es jedoch heute und in Zukunft die Anlage in ihrer Gesamtheit so zu konzipieren, dass Standort, Wetterverhältnisse, Netzanforderungen, Direktvermarktungsoptionen sowie intelligente Konzepte zur Optimierung des Verbrauchs vor Ort und in räumlicher Nähe bestmöglich berücksichtigt werden und die Projekte bestmögliche Finanzierungsstrukturen sowie professionelle wirtschaftliche und technische Betriebsführungskonzepte aufweisen.“

DeinEnergieportal: „Werden neue Technologien den Markt in Deutschland genauso beeinflussen wie den Weltmarkt oder werden wir uns hier auf andere Entwicklungen einstellen müssen?“

Dr. Vest: „Technischer Fortschritt wird auch den deutschen Markt beeinflussen und Photovoltaik noch attraktiver machen, so dass Projekte noch wirtschaftlicher werden. Doch daneben müssten auch die zum Teil dilettantisch formulierten rechtlichen Rahmenbedingungen anhand eines Leitbildes dezentraler verbrauchsnaher erneuerbarer Erzeugung mit entsprechend geringerer Belastung der Netze und der Allgemeinheit verbessert werden. So müssen zum Beispiel Unklarheiten der Gesetzeslage und Sonderbelastungen bei Eigenverbrauchs- und Nahverbrauchskonzepten oder rein preisbezogene, energiewirtschaftlich und volkswirtschaftlich ineffiziente Ausschreibungsverfahren abgeschafft werden.“