Strohballen-Sonnenhaus in Baden-Württemberg

In der Nähe von Sigmaringen baut Kai Klotzbach für seine Familie und sich ein Haus. Dieses wird auf Basis von Stroh, Lehm und Holz errichtet, für die Strom- und Wärmeversorgung kommt Solartechnik zum Einsatz. Unter dem Strich kommt dabei ein Strohballen-Sonnenhaus mit hohem Wohnkomfort heraus. Der Fachverband Strohballenbau Deutschland (FASBA) vermutet, dass es in Deutschland zur Zeit zwischen 900 und 1.500 strohgedämmte Häuser gibt.

Bei dem Strohballen-Sonnenhaus von Familie Klotzbach erzeugen Photovoltaik-Module auf dem Dach Strom und Solarkollektoren an der Fassade Wärme (Foto: Kai Klotzbach)

Sonnenhäuser, bei denen mindestens die Hälfte des Wärmebedarfs für die Raumheizung und das warme Wasser solar erzeugt wird, sind häufiger zu finden. Weit über 2.000 gibt es davon im deutschsprachigen Raum. Zwar basiert die klassische Sonnenhaus-Definition noch auf der Wärmeversorgung. Der Trend ist aber, Solartechnik für Wärme und für Strom zu nutzen, so wie es bei Klotzbach der Fall ist. So regional und ökologisch wie möglich wollte dieser bauen und kein Öl und Gas für die Wärme- und Stromversorgung verbrennen. Das setzt er nun sehr konsequent in Form des Strohballen-Sonnenhauses um.

Selber anpacken ist sein Credo. Deshalb hat Kai Klotzbach es sich auch nicht nehmen lassen, die Holzständer-Elemente selber mit Strohballen zu befüllen. Sieben Tage lang haben er, seine Familie und Freunde im Mai in der Zimmerei in Vilsingen rund 1.100 Strohballen eigenhändig in die Elemente für die Wände, das Dach und die Bodenplatte gepresst. Anschließend stellen die Zimmerer den Rohbau auf der Baustelle in Engelswies auf.

Eigenversorgung als Ziel 

187 Quadratmeter Wohnfläche für sechs Personen hat das Einfamilienhaus mit KfW-Effizienzhaus-Standard 40. Unter der Garage hat Klotzbach einen 48 Quadratmeter großen Keller gebaut. „Da wollen wir unsere Lebensmittel aus dem Gewächshaus lagern.“ Das haben sie noch vor dem Baustart im November vergangenen Jahres im Garten aufgestellt und ernten dort seither Tomaten, Gurken, Zucchini, Salat und vieles mehr. Sich möglichst selbst zu versorgen, liegt dem Bauherren, der in dieser ländlichen Region aufgewachsen ist, im Blut. 

Natürliche Baumaterialien aus der Region 

Als Jugendlicher hat Klotzbach in der Schreinerei gegenüber von seinem Grundstück geholfen. Daher seine Liebe zum Holz. Fast 20 Jahre später setzen die Schreiner in seinem Eigenheim die Holzfenster, die Haustür und die Außenjalousien ein. Die Strohballen für die Dämmung stammen vom benachbarten Landwirt. „Wenn wir das Dämmmaterial vor Ort bekommen können, ist das perfekt“, so Klotzbach. Das Stroh musste er einmal zertifizieren lassen, dafür hat er im April eine Palette mit sechs Strohballen eingeschickt. Stroh gilt mittlerweile als standardisierter Baustoff. 

Und so sieht der Wandaufbau aus: Die Außenhaut bildet eine hinterlüftete Fassade aus unbehandelter Douglasie. Dahinter befindet sich nach einer sechs Zentimeter starken Weichfaserplatte eine Lage Strohballen mit 36 Zentimetern Stärke. Im Gebäudeinneren werden die Strohballen mit fünf Zentimeter starkem Lehmputz bedeckt. Auch die Bodenplatte ist mit Stroh befüllt. Damit die Strohballen keinen Kontakt zum Erdreich haben, steht das Haus auf erhöhten Einzelfundamenten. 

Dachintegrierte Photovoltaik-Anlage mit Solarstromspeicher 

Das Dach wurde mit zwei Lagen Stroh mit insgesamt 72 Zentimeter Dicke gedämmt. Von außen ist das nicht zu erkennen. Auf der Nordseite bilden herkömmliche Dachziegel die Dachhaut, auf der Südseite sind es Photovoltaik-Module mit insgesamt 11,2 Kilowattpeak Spitzenleistung. Den Solarstrom will Familie Klotzbach soweit wie möglich für die Haushaltsgeräte und die Haustechnik selber nutzen. Den eigenen Strom können sie inklusive der Kosten für den Speicher für 13 Cent je Kilowattstunde selbst erzeugen. Für Strom vom Energieversorger zahlen sie 28,6 Ct./kWh. 

Weitere informationen: www.sonnenhaus-institut.de und https://hartmann-energietechnik.de