Neue Fenster erfordern intensiveres Lüften

Manuell lüften oder automatisch mit Lüftungsanlage – ein Überblick (Foto: Zukunft Altbau)

Moderne Energiesparfenster mit Zweifach- oder Dreifachverglasung sorgen für eine erhebliche Reduzierung des Wärmeverlusts in Gebäuden. Mehrere Dichtungen verhindern zudem, dass warme Raumluft wie bei alten Fenstern unkontrolliert entweichen kann und kalte Luft hereinströmt. Aus diesem Grund müssen die Bewohner jedoch deutlich mehr lüften. Im Zuge einer energetischen Modernisierung mit Fenstertausch sollten sich Hauseigentümer daher ein Lüftungskonzept erstellen lassen. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin. Je nach Umfang der Sanierung ist ein Konzept sogar gesetzlich gefordert. „Zur Wahl stehen einfache lüftungstechnische Maßnahmen und automatische Wohnungslüftungsanlagen“, erklärt Frank Hettler von Zukunft Altbau. Für den höchsten Komfort und die niedrigsten Energiekosten sorgen die Lüftungsanlagen. Sie tauschen feuchte, verbrauchte Luft gegen frische Luft aus, senken das Schimmelrisiko und können durch Wärmerückgewinnung Heizenergie sparen. Neutrale Informationen gibt es kostenfrei über das Beratungstelefon von Zukunft Altbau 08000 12 33 33 oder unter www.zukunftaltbau.de.

Menschen dünsten pro Tag rund ein Liter Wasser aus. „Allein einstündiges Kochen und 15 minütiges Duschen belasten die Raumluft noch einmal mit etwa 2,5 Liter Wasser“, sagt Hettler. Weitere Feuchtigkeitsquellen sind das Trocknen von Wäsche und Pflanzen in der Wohnung. In einem Vier-Personen-Haushalt fallen so täglich bis zu elf Liter Wasser in der Raumluft an.

Diese Feuchtigkeit muss abtransportiert werden, sonst droht Schimmel an den Innenseiten der Außenwände. Auch die viel zitierten „atmenden Wände“ helfen nicht weiter: Über Bauteile kann keine nennenswerte Menge Wasser nach draußen transportiert werden. Dazu ist unbedingt ein Luftaustausch mit Außenluft notwendig. Als Richtwert gilt: In bewohnten Räumen sollten 60 Prozent Luftfeuchte nicht überschritten werden. Auch ausgeatmetes Kohlendioxid und Ausdünstungen von Möbeln und Teppichen erfordern einen regelmäßigen Luftaustausch. Sie führen sonst schnell zu Müdigkeit und Kopfschmerzen.

Die traditionelle Art der Lüftung funktioniert über geöffnete Fenster: mehrmals am Tag sollte man für einige Minuten mit weit geöffneten Fenstern stoß- und querlüften. Mit neuen Fenstern muss mehr gelüftet werden. Undichte Fugen und Ritzen, durch die es bei alten Fenstern zieht, sind nicht mehr vorhanden. Kurzum: Der unkontrollierte Luftwechsel muss künftig durch mehr kontrolliertes Lüften ersetzt werden.

Vor allem, wenn neue Fenster eingebaut werden und die Fassadendämmung schlecht ist, sollten Eigentümer über den Einbau einer Lüftungsanlage nachdenken. Das gilt etwa für Häuser, die vor 1995 gebaut wurden und noch über keine nachträgliche Dämmung verfügen. Der Grund ist die in diesem Fall hohe Schimmelgefahr: Um ohne technische Hilfe den empfohlenen Mindestluftwechsel zu erreichen, müssten Bewohner, in einem Zeitraum von 24 Stunden mindestens fünf Mal für mehrere Minuten querlüften. Die Luftfeuchtigkeit verbleibt ansonsten in der Wohnung, und erhöht das Schimmelrisiko.

Moderne Wohnungslüftungsanlagen senken das Schimmelrisiko enorm. „Sie stellen einen ausreichenden Luftaustausch sicher. Die Nutzer müssen sich dann nicht mehr um das Lüften kümmern“, sagt Hermann Dannecker vom Deutschen Energieberaternetzwerk (DEN). „Systeme mit Wärmerückgewinnung sparen zudem eine Menge Heizenergie.“ Davon profitieren Umwelt und Geldbeutel, vor allem aber erhöht sich der Wohnkomfort. In lärmbelasteten Wohngebieten ist frische Luft in den Räumen und Lärmschutz dann kein Widerspruch mehr. Auch Feinstaub und Pollen können so aus der Zuluft gefiltert werden. Bedacht werden sollte auch: Im Sommer wird die Lüftung bei Bedarf abgeschaltet und über die Fenster gelüftet. Und wer im Winter einmal die Fenster sperrangelweit aufmachen will, kann das natürlich auch weiterhin tun.

Wenn mehr als ein Drittel der Fensterflächen erneuert oder bei Einfamilienhäusern mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird, sollten sich Hauseigentümer mit einem Fachmann gemeinsam Gedanken machen. Dann nämlich schreibt die DIN-Norm 1946-6 ein Lüftungskonzept vor. „Zu diesem Zweck ermittelt ein Planer, wie luftdicht das Gebäude ist, und macht bei Bedarf Vorschläge“, erklärt Dannecker. „Meist reichen schon Fensterfalzlüfter aus, um genügend frische Luft in die Wohnung zu bringen.“ Allerdings handelt es sich hier um kühle Außenluft, die erst aufgeheizt werden muss. Zudem entweicht Raumwärme durch die Schlitze. Aus diesem Grund werden immer öfter moderne Lüftungsanlagen installiert.

Fachleute unterscheiden zwischen reinen Abluftsystemen, dezentralen Einzellüftern und kontrollierten Wohnungslüftungen mit Zu- und Abluft. Bei Abluftsystemen etwa wird die verbrauchte und feuchte Luft in den belasteten Räumen wie Küche, Bad und Toilette durch einen Ventilator abgesaugt und ins Freie geblasen. Frische Luft strömt in der Regel über Fenster- oder Außenwand-Luftdurchlässe in die Wohn- und Schlafräume. Der Nachteil der Abluftsysteme: Die Wärme der Abluft kann nicht zurückgewonnen werden, die Frischluft strömt im Winter kalt in die Räume.

Mehr Komfort bieten Einzellüfter. Sie sind regelbar und können die Wärme der Abluft nutzen. Die Einzellüfter versorgen jeden Raum einzeln: Dazu wird ein Gerät mit Zu- und Abluftventilator in die Außenwand der dafür vorgesehenen Räume eingebaut, die Installation von Luftkanälen ist nicht nötig. Die Anlagen übertragen bis zu 75 Prozent der Abluftwärme auf die Zuluft. Die Geräuschbelastung ist jedoch etwas höher als bei zentralen Anlagen, da pro Raum ein Ventilator nötig ist. Außerdem ist die Energieeinsparung geringer.

„Die effizientesten unter den Lüftungsanlagen sind unbestritten die zentralen Wohnungslüftungen“, so Frank Hettler von Zukunft Altbau. „Sie saugen die Abluft aus Küche, Bad und Toilette und führen sie über ein Leitungssystem zum Lüftungszentralgerät. Dort überträgt ein Wärmetauscher die Wärme der Abluft auf die frische Außenluft.“ Je nach Bedarf kommen auch Pollenfilter oder Feinstaubfilter zum Einsatz. Die erwärmte, gefilterte Frischluft gelangt dann über ein separates Leitungsnetz in die Wohn- und Schlafräume. Die Bewohner können die Menge an frischere Luft in jeden Raum individuell regulieren. Die Nutzung der Abwärme steigt auf bis zu 95 Prozent. Der Nachteil: Zentrale Anlagen sind in Bestandsgebäuden nicht immer einfach einzubauen. Der bauliche Aufwand und die Kosten sind höher. Es muss zudem Platz für das Lüftungsgerät vorhanden sein.

Nicht vergessen sollte man auch: Filter und Gitter sollten zweimal im Jahr ersetzt oder gereinigt werden. Ein Fachmann ist dafür aber nicht zwingend nötig. Dieser übernimmt alle zwei Jahre einen Routinecheck und reinigt alle fünf bis zehn Jahre nach Bedarf das Rohrsystem. Die Kosten können Hauseigentümer steuerlich absetzen.

Die Kosten für Lüftungsanlagen bei Sanierungen von Einfamilienhäusern liegen je nach Ausstattung zwischen 2.000 bei reinen Abluftanlagen und bis 15.000 Euro für kontrollierte Lüftungen. Eine staatliche Förderung gibt es auch: In Gebäuden, die vor dem 1. Februar 2002 errichtet wurden, fördert die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den Einbau einer Wohnungslüftung mit einem Zuschuss von bis 7.500 Euro pro Wohneinheit. Die Förderung erfolgt im Rahmen des Programms „Energieeffizient Sanieren“ (Programm 430). Ob eine Lüftungsanlage im konkreten Fall sinnvoll ist und welches System für ihr Gebäude in Frage kommt, erfahren Hauseigentümer bei qualifizierten Gebäudeenergieberatern. Sie helfen bei der Systementscheidung.

Weitere Informationen: www.zukunftaltbau.de

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