Energy Sharing: Solarstrom gemeinsam nutzen wird einfacher
Seit dem 1. Juni 2026 ist in Deutschland das sogenannte Energy Sharing möglich. Dabei können sich Nachbarn oder lokale Gemeinschaften zu Stromgemeinschaften zusammenschließen und selbst erzeugten Solarstrom miteinander teilen. Ziel ist es, die Energiewende stärker in den Alltag der Bürgerinnen und Bürger zu integrieren und die Nutzung erneuerbarer Energien wirtschaftlicher zu gestalten. Grundlage der Regelung ist eine EU-Vorgabe, die eine stärkere Beteiligung von Verbraucherinnen und Verbrauchern an der dezentralen Energieerzeugung vorsieht. Im Gespräch mit der Verbraucherzentrale NRW erläutert Energieexperte Thomas Zwingmann Funktionsweise, Chancen und offene Herausforderungen des neuen Modells.

Energy Sharing ermöglicht es, überschüssigen Strom aus privaten Photovoltaik- oder Windkraftanlagen direkt an andere Haushalte in der Umgebung weiterzugeben. Neu ist vor allem die vereinfachte rechtliche Einordnung: Anlagenbetreiber werden beim Stromverkauf im Rahmen von Energy Sharing nicht automatisch zu Energieversorgern mit umfassenden Pflichten. Dadurch sinken bürokratische Hürden, und der lokale Stromhandel wird deutlich praktikabler als in der Vergangenheit.
Für Betreiber kann das Modell wirtschaftlich attraktiv sein. Statt überschüssigen Strom zu niedrigen Einspeisevergütungen ins öffentliche Netz zu geben, kann er zu individuell vereinbarten Preisen innerhalb der Gemeinschaft verkauft werden. Auch Abnehmer profitieren von potenziell günstigeren Konditionen, sofern der Gesamtpreis inklusive Abgaben unter dem marktüblichen Niveau bleibt. Auf diese Weise entsteht ein direkter finanzieller Vorteil auf beiden Seiten und zugleich eine stärkere regionale Nutzung erneuerbarer Energie.
Voraussetzung für die Umsetzung sind jedoch digitale Mess- und Abrechnungssysteme. Entscheidend sind sogenannte Smart Meter, die Erzeugung und Verbrauch im Viertelstundentakt erfassen. Nur so kann der Stromfluss innerhalb der Gemeinschaft korrekt bilanziert werden. Der flächendeckende Einsatz dieser Technik ist in Deutschland jedoch noch nicht abgeschlossen, was die Einführung in der Praxis derzeit verlangsamt.
Hinzu kommen offene Fragen bei der Marktkommunikation zwischen den beteiligten Akteuren sowie regulatorische Details, die noch von der Bundesnetzagentur konkretisiert werden müssen. Energieexperte Zwingmann geht daher davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Energy Sharing breit verfügbar ist. Dennoch sieht er in dem Modell eine wichtige Chance, insbesondere für Haushalte mit geringerem Einkommen, stärker an der Energiewende teilzuhaben und von lokal erzeugtem Strom zu profitieren.
