EnergieInterviews

Energiewende braucht mehr als neue Solaranlagen und Windräder – Interview mit VREY

In einem Interview mit DeinEnergieportal erläutert VREY-Gründer und Geschäftsführer Julius Pahmeier die Herausforderungen und Chancen der Energiewende in Deutschland. Die aktuellen Zahlen des Fraunhofer ISE zeigen, dass der Anteil erneuerbarer Energien am deutschen Strommix weiter steigt. Nach Einschätzung Pahmeiers reicht der Ausbau von Wind- und Solarenergie allein jedoch nicht aus, um die Energiewende erfolgreich umzusetzen. Entscheidend seien zusätzliche Speichertechnologien, intelligente Energiemanagementsysteme und flexible Verbraucher wie Wärmepumpen oder E-Autos, um Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen. Überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien könne künftig für Haushalte, Unternehmen und Kommunen wirtschaftliche Vorteile schaffen, wenn zugleich Smart Meter, Speicherkapazitäten und passende regulatorische Rahmenbedingungen weiter ausgebaut werden.

VREY-Gründer und Geschäftsführer Julius Pahmeier – Quelle: VREY

DeinEnergieportal: „Die Auswertungen des Fraunhofer ISE zeigen einen steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Warum reicht der Ausbau von Solar- und Windkraft allein nicht aus, und welche Rolle spielen Speichertechnologien sowie intelligente Energiemanagementsysteme für das Gelingen der Energiewende?“

Julius Pahmeier: „Wir müssen weiterhin mehr erneuerbare Energie erzeugen – daran gibt es keinen Zweifel. Gleichzeitig darf sich die Debatte nicht allein auf zusätzliche Erzeugungskapazitäten beschränken, da Solar- und Windenergie nicht gleichmäßig Strom erzeugen. Das impliziert die Notwendigkeit von Lösungen, die den Verbrauch und die Produktion in Einklang bringen und die Produktionskurve der erneuerbaren Erzeuger „glätten“.

Speicher können die verfügbare Energie in die Abendstunden verlagern, in denen insbesondere in Wohngebäuden ein Großteil der Haushaltsenergie verbraucht wird. Energiemanagementsysteme können in Kombination mit Smart Metern und Steuerboxen den Verbrauch von Wärmepumpen und Wallboxen (sogenannte „steuerbare Verbraucher“) in Zeiten verschieben, in denen Solarstrom im Überfluss vorhanden ist.

Der Erfolg der Energiewende wird sich jedoch nicht allein an der installierten Leistung messen lassen. Entscheidend ist, dass wir aus einer wachsenden Zahl dezentraler Erzeuger ein intelligentes, flexibles und wirtschaftlich tragfähiges Gesamtsystem entwickeln. Dafür müssen intelligente Messsysteme, Speicherkapazitäten und flexible Verbrauchsstrukturen deutlich stärker berücksichtigt werden.“

DeinEnergieportal: „Sie sprechen von einer „natürlichen Eigenschaft“ erneuerbarer Energien, dass zeitweise mehr Strom erzeugt, wird als benötigt. Wie können Unternehmen, Kommunen und private Haushalte künftig von diesen Überschüssen profitieren, und welche politischen sowie technologischen Voraussetzungen sind dafür notwendig?“

Julius Pahmeier: „Mit der „natürlichen Eigenschaft“ erneuerbarer Energien ist gemeint, dass Wind- und Solarstrom nicht primär der Nachfrage, sondern dem Wetter und der Tageszeit folgen. In einem Stromsystem, das zunehmend auf erneuerbare Energien setzt, wird es deshalb immer wieder Zeitfenster geben, in denen sehr viel Strom gleichzeitig verfügbar ist – oft zu sehr niedrigen Preisen. Dies ist kein Fehler des Systems, sondern eine strukturelle Eigenschaft der wetterabhängigen, sehr günstigen Erzeugung.

Entscheidend ist deshalb, diese Überschüsse nicht als Problem, sondern als wirtschaftliche Chance zu sehen. Private Haushalte können beispielsweise von dynamischen Stromtarifen, intelligenten Wallboxen und günstigem Solarstrom in Kombination mit Wärmepumpen und Heimspeichern profitieren.

Technologisch sind wir bereits sehr weit. Damit das funktioniert, sind aus meiner Sicht drei Dinge notwendig:

Erstens brauchen wir einen schnelleren Smart-Meter-Rollout, da nur mit zeitgenauer Messung dynamische Tarife, lokale Abrechnung und Flexibilität sauber abgebildet werden können.

Zweitens mehr steuerbare Verbraucher und Speicher – also E-Autos, Wärmepumpen und Batteriespeicher –, die das Potenzial der erneuerbaren Produktion verstärken.

Drittens benötigen wir einen stabilen regulatorischen Rahmen, der Flexibilität belohnt, beispielsweise durch dynamischere Netzentgelte, einfachere Regeln für die gemeinschaftliche Nutzung von Solarstrom (wie eine Netzentgeltreduktion beim Energy Sharing über Gebäude hinweg) sowie weniger Bürokratie und Prozesshürden in der Energiewirtschaft.

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