ArtikelLüftung

Frischluft nach Plan

Autor/Redakteur: Andreas Schneider, Senior-Produktmanager Systeme und Systemprodukte bei Buderus/gg

Eine kontrollierte Wohnungslüftung trägt wesentlich zu einer guten Wohnqualität bei und schützt die Bausubstanz. Dabei spart sie zugleich Energie dank Wärmerückgewinnung. Wohnungslüftungssysteme korrekt auszulegen und zu planen, erfordert Fachwissen: Zu berücksichtigen sind die baulichen Gegebenheiten, Raumgrößen und weitere Nutzungsanforderungen, etwa an den Schallschutz. Auch sicherheitsrelevante Themen muss der Fachmann oder die Fachfrau im Hinterkopf haben – beispielsweise bei einem gemeinsamen Betrieb mit einer Feuerstätte.

Kontrollierte Wohnungslüftungssysteme schaffen ein gutes Raumklima. Voraussetzung ist eine fachgerechte Auslegung. (Bild: Buderus)

Bei der Planung ist der Volumenstrom, der angibt, wie viel Luft in einer bestimmten Zeit die Anlage durchströmt, so zu berechnen, dass Feuchtelast sowie Schadstoffe und Gerüche zuverlässig abgeführt werden. Maßgeblich für die Geräte- und Anlagenauslegung ist dabei DIN 1946-6 „Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung“. Die Norm gibt den Berechnungsalgorithmus vor. Statt selbst zu rechnen, können Planer und Fachhandwerker auch auf praktische Tools von Herstellern zurückgreifen, die bei der Auslegung einer kontrollierten Wohnungslüftung unterstützen – etwa das Logavent Planungstool von Buderus. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, individuelle Lüftungs-Detailplanungen inklusive Verlegevorschläge als Planungsunterstützung einzuholen.

Ob in kleinen Wohneinheiten oder in größeren Einfamilienhäusern – Wohnungslüftungen lassen sich für verschiedene Anwendungsfälle einplanen. (Bild: Buderus)

Gleichmäßige Luftführung im ganzen Wohnraum

Bei der zentralen Lüftung wird die Wohnung von einem Ort aus be- und entlüftet. Für die zentral zusammengeführten Luftströme ist aus energetischen Gründen eine Wärmerückgewinnung mittlerweile Standard. Alle zentralen Lüftungssysteme arbeiten nach demselben Prinzip: Sie saugen warme und feuchte Abluft aus Nassräumen und der Küche ab und fördern im Gegenzug frische Außenluft (als Zuluft) in die Wohn-, Schlaf- und Aufenthaltsräume. Flure und Dielenbereiche dienen als Überströmzonen von den Zuluft- zu den Ablufträumen. Für die zentrale Be- und Entlüftung sind demnach zwei Gebläse integriert. Die Wärmerückgewinnung findet im Herzstück des Geräts statt: im Luft-/Luft-Wärmetauscher.

Ein großer Vorteil der zentralen Lüftung ist die gleichmäßige Luftführung im kompletten Wohnraum. Durch das Aufteilen in Abluft-, Überström- und Zuluftbereiche wird somit eine ganzheitliche Luftdurchströmung erreicht. Im Abluftbereich (in den sogenannten Funktionsräumen) fallen Gerüche und Feuchtigkeit an, diese führt das System ab. Mit der gleichen Menge an frischer Zuluft werden wiederum die Aufenthaltsräume (wie Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer) versorgt. Auf diese Weise befördert die Wohnungslüftung Geruchs- und Schadstoffe sowie Wasserdampf kontinuierlich aus den Räumen nach außen. Die Luftüberströmung im Dielen- und Flurbereich wird entweder durch geringfügig gekürzte Türen oder Überströmelemente in den Wänden oder Türen erreicht.

Die abgesaugte Raumluft aus den Feuchträumen und der Küche hat in der Regel eine Temperatur von zirka 20 Grad. Bis zu 90 Prozent dieser Wärme wird im Wärmetauscher auf die frische Außenluft übertragen. Diese Energie setzt das System ein, um die eingebrachte kalte Außenluft auf nahezu Raumtemperatur vorzuwärmen. Moderne Lüftungssysteme wie das Logavent HRV176 E verwenden einen Enthalpie-Wärmetauscher zur Feuchterückgewinnung: Dieser wirkt einem zu starken Austrocknen der Raumluft entgegen und ermöglicht so eine hohe Behaglichkeit auch in der in der kalten Jahreszeit. Hierbei werden außer der Wärme auch Feuchtemoleküle durch eine spezielle Membran von der warmen feuchteren Abluft auf die kalte trockenere Außenluft übertragen.

Wärme- und Feuchterückgewinnung durch Enthalpiewärmetauscher beim Logavent HRV176 E. (Bild: Buderus)

DIN 1946-6 hilft bei der Auslegung

Maßgeblich für die Geräte- und Anlagenauslegung ist die DIN 1946-6, sie gibt den Berechnungsalgorithmus vor. Für die Auslegung nach Norm ist der Gesamtaußenluft-Volumenstrom zur Nennlüftung zu ermitteln.

Ermittlung des Gesamtaußenluft-Volumenstroms anhand der Fläche der Nutzungseinheit und HRV-Gerätezuordnung. (Bild: Buderus)

Abhängig von der Fläche der Nutzungseinheit – der beheizten Fläche innerhalb der Gebäudehülle, die für die Lüftung relevant ist – werden vier Lüftungsstufen festgelegt: Lüftung für den Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung. Bei der Lüftung für den Feuchteschutz unterscheidet man neben hohem und niedrigem Wärmeschutz auch nach geringer oder hoher Belegung. Bei geringer Belegung wird davon ausgegangen, dass eine Nutzungsfläche von ≥ 40 Quadratmetern pro Person vorhanden ist. Aus der Tabelle lässt sich als Ergebnis der Gesamtaußenluftvolumenstrom in Kubikmetern pro Stunde ablesen. Im vorliegenden Beispiel sind außerdem empfohlene Buderus Lüftungsgeräte oberhalb aufgeführt – Planer und Fachhandwerker können so schnell ablesen, welche Geräte geeignet sind.