Expertenkommentar der Agentur für Erneuerbare Energien zum Thema „Pflicht zum Einbau elektronischer Stromzähler“

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„In einem Stromsystem mit hohen Anteilen fluktuierender erneuerbarer Energien in dem immer mehr Stromverbraucher zugleich auch Produzenten werden, müssen Stromerzeugung, Verbrauch und Netze intelligent miteinander verknüpft werden“, so Magnus Maier, Referent für Energiewirtschaft bei der Agentur für Erneuerbare Energien. „Smart Meter sollen die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und den Stromverbrauch besser aufeinander abstimmen. So soll sich die Stromerzeugung nicht mehr nur nach dem Verbrauch richten, sondern auch der Stromverbrauch verstärkt nach der Erzeugung. Wie industrielle Großverbraucher durch Lastmanagement ihren Strombedarf hoch- und herunterfahren, um Schwankungen im Netz auszugleichen, können es Smart Meter auch kleineren Stromverbrauchern ermöglichen, aktiv am Strommarkt teilzunehmen und zu einer besseren Integration der fluktuierenden Erzeugung aus Wind und Sonne beizutragen.“

„Smart Meter können nicht nur Waschmaschine und Geschirrspüler dann einschalten, wenn viel erneuerbarer Strom im Netz ist, sondern auch Solarstromspeicher, Elektroautos und Wärmepumpen in ein intelligentes Stromnetz integrieren“, fährt Maier fort. „Besitzer einer Photovoltaikanlage könnten über eine Smartphone-App ihre Eigenerzeugung und Eigenverbrauch live verfolgen. Smart Meter sollen also nicht nur Strom sparen, sondern auch zur Systemstabilität beitragen, indem sie helfen, Erzeugungs- und Lastspitzen auszugleichen. Wie wichtig der dezentrale Beitrag zur Systemstabilität ist, zeigte bereits die sogenannte ‚50,2-Hz-Nachrüstung‘. 400.000 Solarstromanlagen mussten ein Update erhalten, da von 2005 bis 2011 vorgeschrieben war, dass sich Solarstromanlagen bei einer erhöhten Netzfrequenz über 50,2 Hertz automatisch abschalten. Hätten zu viele Anlagen dies gleichzeitig getan, hätte es ohne die Nachrüstung zu Problemen im Netz kommen können. Nach der Nachrüstung gehen die Anlagen schrittweise vom Netz und tragen so zur Netzstabilität bei. Auch Smart Meter können ein weiterer Baustein zur Versorgungssicherheit beim weiteren Fortschreiten der Energiewende sein. Durch den Einsatz von Smart Metern müssten weniger fossile Reservekraftwerke bereitstehen. Auch müssten weniger Windräder abgeregelt werden, wenn Haushaltsgeräte, Wärmepumpen und Elektrofahrzeuge bei hoher Windeinspeisung vermehrt Strom aus dem Netz ziehen. Dass Smart Meter also technisch sinnvoll sind, ist wohl unumstritten. Allerdings bleiben noch einige wichtige Fragen offen, was die Datensicherheit, IT-Infrastruktur und Technik betrifft. Außerdem ist der finanzielle Nutzen des Einsatzes von Smart Metern bei Endkunden mit geringem Stromverbrauch fraglich.“