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Photovoltaik-Integration auf Golfplätzen: nachhaltige Reduktion von Energiekosten

Autor/Redakteur: Dr. Roman Götter, Strategie und Projektmanagement GridParity/gg

Steigende Energiepreise sind auch für Golfanlagen-Betreiber ein immer ernsteres Problem. Zeitweise haben sich die Energiekosten im letzten Jahr mehr als vervierfacht. Ein kritischer Blick auf die elektrische Infrastruktur der Golfplätze und ein umfassendes Nachhaltigkeits-Managementkonzept sind deshalb für die Geschäftsführer:innen nicht nur eine wichtige Imagefrage, sondern von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung. Eine sorgfältige Integration von Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) in die Golfplatzumgebung ermöglicht es, umweltfreundlichen Strom zu erzeugen und gleichzeitig die ästhetische Qualität der Anlage zu bewahren.

Beispielhafte Integration von Photovoltaik auf Clubhaus, Driving Range, und Parkplatz. (©GridParity)

Viel Strom wird bei einem Golfplatz beim Betrieb der Gebäude (Clubverwaltung, Clubhaus und Restaurant) und Bewässerungsanlage verbraucht. Hinzu kommt meistens noch die Lademöglichkeiten für Golfcarts und Arbeitsgeräte.

Von den 729 Golfanlagen in Deutschland sind es aber bislang lediglich zirka 15 Prozent der Golfplätze, die schon in größere Solaranlagen investiert haben. Sie können je nach Anlagengröße einen Großteil ihres eigenen Strombedarfs decken und sogar signifikante Überschüsse in das lokale Stromnetz einspeisen. Die Nutzung von Photovoltaik passt bestens zum Lastprofil eines Golfplatzes. Der Verbrauch und der Ertrag sind im Sommer besonders hoch. Im Winter gibt es kaum Spielbetrieb und damit einen deutlich reduzierten Strombedarf.

Golfclubs, die auf erneuerbare Energie setzen, können ihr umweltfreundliches Engagement betonen. Dies kann das Image des Golfclubs verbessern und das Bewusstsein für nachhaltige Praktiken fördern. Die Maßnahmen werden bei Umfragen mit über 90 Prozent der Clubmitglieder begrüßt.

PV-Anlagen können an verschiedenen Standorten von Golfclubs installiert werden, um erneuerbaren Strom zu erzeugen. Typische Standorte und die damit verbundenen Zusatz-Vorteile sind:

1. Dachflächen von Clubhäusern und Gebäuden

Die Dächer von Clubhäusern, die Restaurant-Terrasse und anderen Gebäude auf dem Golfplatz bieten oft viel Platz für PV-Module. Durch die Installation auf diesen Dachflächen kann der erzeugte Strom zur Versorgung der Gebäude und ihrer Einrichtungen genutzt werden.

2. Carports und Parkplätze

Überdachte Parkplätze oder Carports mit integrierten, meist semitransparenten PV-Modulen können nicht nur Schatten für die Fahrzeuge der Spieler bieten, sondern auch sauberen Strom erzeugen. Hier empfiehlt sich, auch Lademöglichkeiten für die Fahrzeuge der Clubmitglieder anzubieten, dieser zusätzliche Service wird sehr positiv aufgenommen. Das große Potential der Parkplätze ist bisher aber kaum genutzt worden.

3. Überdachung für Ladeplätze

Für elektrische Arbeitsgeräte (Rasenmäher, Traktoren) und Golfcarts werden PV-überdachte Ladeplätze geschaffen. Meist werden Batteriespeicher in die Lösung integriert, um ein Laden über Nacht mit selbstproduziertem Strom zu ermöglichen.

4. PV-Module auf dem Abschlagshaus der Driving-Range

Je nach Ausrichtung des Hauses, kann dies ein idealer Platz für eine zusätzliche Fläche sein.

5. Freiflächen auf dem Golfplatz

Ungenutzte Freiflächen auf dem Golfplatz, die nicht für den Spielbetrieb benötigt werden, können für die Installation von PV-Modulen zum Einsatz kommen. Diese Bereiche sollten sorgfältig ausgewählt werden, um den Golfbetrieb nicht zu beeinträchtigen.

Sehr gute Wirtschaftlichkeit

Erfahrungen bei unterschiedlichen Golfclubs und Modellrechnungen zeigen, dass die Investitionen sich bereits heute nach wenigen Jahren rechnen. Je nach Größe der Anlage und typischem Verbrauch liegen die Return-on-Invest-Zeiten zwischen fünf und acht Jahren.

Betrachtet man zum Beispiel die PV-Carport-Anlage mit 76 Parkplätzen bei einem Golfplatz in Bayern: Bei dieser Anlage sollen semitransparente Module verwendet werden. Dies hat nicht nur ästhetische Gründe. Die semitransparenten Doppelglasmodule dienen direkt als Dach und lassen ausreichend Licht durch, damit keine dunklen Höhlen entstehen. Die 570 Module haben eine Leistung von 228 kWp. Der Strom kann zum Teil direkt für die Bewässerungsanlage genutzt werden. Zusätzlich sollen zwei Ladepunkte für Clubmitglieder geschaffen werden. Die Stromrechnung wird um jährlich zirka 40.000 Euro reduziert. Die Investition macht sich dadurch in sieben bis acht Jahren bezahlt. Bei einer typischen Lebensdauer einer PV-Anlage von über 25 Jahren ist es also ein sicheres Investment in die nachhaltige Zukunft der Golf-Anlage.

Zusätzliche Vorteile der PV-Erzeugung für Golfclubs

1. Resilienz gegenüber Klimawandel

Die mit semitransparenten Modulen überdachten Flächen schützen vor starker Sonneneinstrahlung und anderen klimatischen Extremen wie Starkregen oder Hagel. Sie ermöglichen oftmals eine längere Nutzung der Anlagen.

    2. Beitrag zum Umweltschutz

    Die Nutzung von sauberem Strom aus erneuerbaren Quellen trägt dazu bei, den ökologischen Fußabdruck des Golfclubs zu reduzieren und den Beitrag zur Umweltschonung zu betonen.

    3. Zusätzliche Einnahmen durch Einspeisung

    In einigen Regionen können Golfclubs Überschussstrom ins Netz einspeisen und dabei finanzielle Anreize, wie Einspeisevergütungen, erhalten. Dies kann zu zusätzlichen Einnahmen führen.

    4. Unabhängigkeit von Strompreisschwankungen

    Direkt nutzbarer Strom macht Betriebe weniger anfällig für Preisschwankungen auf dem Energiemarkt. Da der erzeugte Strom vor Ort genutzt wird, wird der Betrieb weniger von externen Faktoren wie steigenden Strompreisen beeinflusst.

    Planung und Aufbau durch Experten ist zu empfehlen

    Vor der Installation sollten Golfclubs eine detaillierte Standortanalyse durchführen und sicherstellen, dass die PV-Anlage gut in den Golfbetrieb integriert wird, ohne das Spielerlebnis zu beeinträchtigen

    Bei der Planung müssen Schattenwurf und lokale Bauvorschriften berücksichtigt werden. Eine gut durchdachte Integration von PV-Systemen in die Topologie der Golfanlage ermöglicht nicht nur die Nutzung erneuerbarer Energie, sondern kann auch langfristig zu erheblichen betrieblichen Einsparungen führen. Die Verbindung von sportlichem Vergnügen und umweltfreundlicher Energieproduktion macht die PV-Integration zu einer zukunftsweisenden Entscheidung für moderne Golfplätze.