Mit der Zunahme der Zahl der Wärmepumpen wächst die Bedeutung von Ökostrom

Mit der steigenden Anzahl an Wärmepumpen wächst der Strombedarf zum Heizen. Inzwischen sind in Deutschland laut Bundesverband Wärmepumpe rund 800.000 Stück installiert. Im Schnitt benötigt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe im Einfamilienhaus pro Jahr rund 3.000 bis 7.000 Kilowattstunden Strom zum Heizen. Der typische Strombedarf für elektrische Haushaltsgeräte liegt zum Vergleich bei durchschnittlich rund 3.500 Kilowattstunden. „Bezogen auf die verursachten CO2-Emissionen kommt so ganz schön was zusammen, wenn die Wärmepumpen nicht mit Ökostrom betrieben werden“, betont Florian Henle, Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers Polarstern. „Wärmepumpen können am Ende bei niedrigem Wirkungsgrad sogar mehr CO2 verursachen als moderne Erdgas- oder Ölheizungen.“ Deshalb sei es einmal wichtiger, effiziente Technik mit erneuerbaren Energien zu kombinieren. „Ökostromtarife sind auch im Wärmemarkt ein zentraler Schlüssel für die Energiewende und den Klimaschutz.“

Der Markt grüner Wärmepumpentarife steckt noch in den Kinderschuhen. Die meisten Haushalte beziehen für ihre Wärmepumpe Strom vom Grundversorger. Laut Bundesnetzagentur lag die Lieferantenwechselquote 2016 bei gerade einmal vier Prozent. Nur rund jeder zehnte Empfänger von Wärmepumpentarifen bezog einen Tarif von einem Lieferanten außerhalb der Grundversorgung.

Anders als im Strommarkt, wo Haushalte zwischen deutlich über 400 Stromtarifen wählen können, stehen ihm im Schnitt maximal rund 50 Wärmepumpentarife zur Auswahl. „Es gibt bisher nur wenige und dann oft auch nur lokal verfügbare Tarife. Zwar wird die deutliche Mehrheit der Wärmepumpentarife als Ökostrom verkauft, jedoch ohne renommierte Gütesiegel“, sagt Florian Henle. Nur rund jeder Achte von ihnen trägt ein renommiertes Gütesiegel wie das Grüner Strom Label oder das ok power Label. „Tarife ohne eines der beiden Gütesiegel leisten keinen zusätzlichen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien und die Ansprüche an die Lieferkette sind sehr niedrig, sprich wie nachhaltig das Kraftwerk Strom erzeugt und Landschafts- und Tierschutzmaßnahmen ergreift“, betont Florian Henle.

Der Wechsel zu einem grünen Wärmepumpentarif lohnt sich. Im bundesweiten Schnitt sind Wärmepumpentarife um 20 bis 30 Prozent günstiger als klassische Hausstromtarife. Allerdings kann nicht jeder von günstigen Wärmepumpentarifen profitieren. Die Stromversorgung der Wärmepumpe muss separat durch einen Zähler erfasst und die Stromversorgung der Wärmepumpe muss unterbrochen werden können. Das ermöglicht ein Rundsteuerempfänger. Über ihn kann der zuständige Verteilnetzbetreiber die Anlage abschalten. Dafür reduziert dieser Konzessionsabgaben und Netzentgelte. Haushalte, die ihre Wärmepumpe bisher mit Haushaltsstrom betreiben und daher nur einen Zähler haben, können einen zweiten Zähler nachrüsten und so ebenfalls die reduzierten Wärmepumpentarife beziehen.

Am wirkungsvollsten reduzieren Haushalte ihre Heizstromkosten, wenn sie ihre Wärmepumpe, unter anderem mit Strom vom eigenen Dach betreiben. „Haushalte, die ihre Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom und einem Wärmepumpentarif versorgen, reduzieren ihre Energiekosten besonders stark“, sagt Florian Henle von Polarstern. Auch Speicher steigerten die Kostenersparnis, weil mehr Solarstrom für die Wärmepumpen genutzt werden kann. Schließlich passen Solarstromerzeugung und Heizenergiebedarf nicht immer perfekt zusammenpassen. Vor allem Brauchwasser-Wärmepumpen eignen sich für den Betrieb mit Solarstrom. Ihr Strombedarf ist ganzjährig und über den Tag verteilt konstant.

Solche speziellen Strom-Messkonzepte mit Wärmepumpe, Solaranlage und Speicher sind technisch möglich, werden aber bisher nur selten vom Netzbetreiber angeboten. Es bedarf dazu stets einer Einzel-Abklärung durch den Energieversorger oder den Haushalt selbst.

Weitere Informationen: https://www.polarstern-energie.de/magazin/hausbau-und-sanierung-experten-ueber-energietechnik-trends-2018 und https://www.polarstern-energie.de/oekostrom/spezialtarife