Rebound-Effekt und die Irrationalität des Wohnens

Die Ingenieurkammer Bau NRW und die EnergieAgentur.NRW hatten gerufen – und rund 180 Fachleute kamen am 25. August zum traditionellen Diskussionsforum „Ingenieurimpulse“ ins Fraunhofer-inHaus-Zentrum nach Duisburg. Thema der Veranstaltungsreihe diesmal: Reboundeffekt (auch Rückpralleffekt). Auf dem Podium saßen Prof. Viktor Grinewitschus (Hochschule Ruhr West), Dr. Jörg Albert (Ingenieur- & Sachverständigenbüro), Julius Otto (FH Köln) sowie Dr. Raymond Galvin (RWTH Aachen).

„Das Problem des Reboundeffekts ist nicht neu: Der Effekt beschreibt den teilweisen Wirkungsverlust von gesteigerter Energieeffizienz durch erhöhten Verbrauch. Erwartete Effizienzgewinne bleiben dann aus“, erklärt Dipl.-Ing. Lothar Schneider, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW. In den letzten zwei Jahrzehnten sei die Energieeffizienz von Gebäuden pro Quadratmeter und Jahr im Wohnungsbau zwar gestiegen, gleichzeitig die Fläche, die jeder einzelne Deutsche bewohne, aber ebenso. Schneider: „Inzwischen steht jedem Deutschen durchschnittlich eine Wohnfläche von bald 45 Quadratmetern zur Verfügung. Vor 20 Jahren waren es noch weniger als 35 Quadratmeter.“ Damit nehme selbstredend die zu beheizende Fläche zu. Schneider weiter: „Immobilienanschaffung ist selten eine rein rationale Entscheidung. Häuser sollen vor allem Unterschiede zwischen ihren Nutzern dokumentieren. Es geht aber nicht darum, vor allem ästhetisch schön zu bauen. Es geht darum, gut und richtig zu bauen. Gut und richtig bedeutet effizient und nachhaltig.“ Ein wichtiger Beitrag seien effiziente Grundrisse, eine flächenoptimierte Architektur, um nicht immer nur größer bauen zu müssen.

Dabei waren sich die Fachleute einig mit den Diskutanten, dass energieeffizientes Bauen und Wohnen ein wesentlicher Faktor für das Gelingen der Energie- und Wärmewende sei. „Eine Energiewende ohne energetisch optimierte Gebäude funktioniert nicht, da ein Großteil des Energieverbrauchs in Deutschland auf die Beheizung unserer Gebäude entfällt. Der Reboundeffekt ist ein bislang noch nicht wirklich ausreichend erforschtes Phänomen. Erste Fall- oder Sondierungsstudien für den Bereich der Sanierung von Nichtwohngebäude belegen allerdings eine Reihe von organisationalen und sozialen, also nicht-technischen Einsparpotenzialen. Der Rebound wird hier auf 17 bis 33 Prozent beziffert, die Effizienz fällt also zwischen 17 und 33 Prozent niedriger aus als kalkuliert. „Allerdings weiß man, dass Reboundeffekte in Wohngebäuden stärker ausgeprägt sind als in Nicht-Wohngebäuden“, so Dr. Heinrich Bökamp, Präsident der Ingenieurkammer Bau NRW. Grundsätzliches Problem sei eine nicht realistische Vorausberechnung der Energieeinsparung. Bökamp: „Wesentlich ist, dass durch das Bewusstsein, in einem effizienten Haus zu wohnen, das Verhalten der Bewohner beeinflusst wird. Und schon stimmt die Kalkulation, die rein von technischen Gegebenheiten ausgeht, nicht mehr.“ Der Präsident der Ingenieurkammer Bau NRW setzt allerdings auf den technischen Fortschritt: „Der Reboundeffekt ist eine Herausforderung für die intelligente Steuerung der Haustechnik. Smarthouse-Systeme werden künftig solche Effekte stärker berücksichtigen und gegensteuern“, so Bökamp.

Weitere Informationen: www.Energieagentur.nrw.de und www.ikbaunrw.de