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Roggendorf: Energieautarke Mehrfamilienhäuser kombinieren Photovoltaik und Infrarotheizung

Zwei neue Mehrfamilienhäuser in Roggendorf bei Gadebusch zeigen ein alternatives Konzept für energieeffizientes und kostensparendes Bauen. Die Gebäude kombinieren großflächige Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher und elektrische Infrarotheizungen mit einer weitgehend vereinfachten Haustechnik. Nach Berechnungen des Energieexperten Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld können die Anlagen zwischen 50 und 55 Prozent des jährlichen Energiebedarfs solar decken. Für die Mieter ist eine Pauschalmiete vorgesehen, die sämtliche Nebenkosten einschließlich Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom umfasst. Die beiden Gebäude werden am 5. November 2026 offiziell eingeweiht.

Zeichnung der beiden hochgradig energieautarken Mehrfamilienhäuser in Roggendorf
Quelle: Timo Leukefeld/JRT Jens Rohde Tiefbau GmbH

Photovoltaik und Speicher decken mehr als die Hälfte des Energiebedarfs

Eines der beiden baugleichen Mehrfamilienhäuser wurde von Jens und Vincent Rohde, Geschäftsführern der JRT Jens Rohde Tiefbau GmbH, errichtet. Das Gebäude umfasst zwölf Wohnungen mit insgesamt 1.022 Quadratmetern Wohnfläche. Die Photovoltaikanlage erreicht eine Leistung von 115,7 kWp. Davon entfallen 89,1 kWp auf die Dachfläche und 26,6 kWp auf die Fassaden.

Die Fassadenmodule sollen insbesondere in den Wintermonaten bei tief stehender Sonne zur Stromerzeugung beitragen. Nicht unmittelbar verbrauchter Solarstrom wird in drei Batteriespeichern mit einer Gesamtnutzkapazität von 64 kWh zwischengespeichert.

Der prognostizierte jährliche Energiebedarf für Wärme- und Stromversorgung liegt bei rund 85.500 kWh. Nach Berechnungen von Leukefeld können davon 50 bis 55 Prozent durch die Photovoltaikanlage gedeckt werden. Die daraus resultierenden Energiekosten beziffert der Experte auf etwa 92 Euro pro Wohnung und Monat. Darin enthalten sind Heizung, Warmwasser, Haushaltsstrom und Allgemeinstrom. Bei vergleichbaren Neubauwohnungen ohne ein solches Autarkiekonzept lägen die Kosten nach seiner Einschätzung bei 130 bis 180 Euro monatlich.

Infrarotheizungen ersetzen wassergeführte Systeme

Ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist die Wärmeversorgung über elektrische Infrarotheizungen. In jedem Raum befinden sich entsprechende Heizgeräte, die Wärme erzeugen und direkt an den Raum abgeben. Auf wasserführende Heizkreise, Rohrleitungen und zentrale Wärmeverteilung kann dadurch verzichtet werden.

Die Geräte werden an das elektrische Hausnetz angeschlossen und benötigen nach Angaben der Projektbeteiligten nur einen geringen Installationsaufwand. Ihre Lebensdauer wird mit bis zu 30 Jahren angegeben. Da keine regelmäßige Wartung erforderlich sei, reduziere sich auch der laufende technische Betreuungsaufwand. Leukefeld sieht darin einen Vorteil angesichts steigender Handwerkerkosten und des zunehmenden Fachkräftemangels.

Auch die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral. Jede Wohnung verfügt über einen sogenannten Autarkie-Boiler mit zwei Heizstäben. Einer davon nutzt ausschließlich Solarstrom und wird so programmiert, dass er bevorzugt in Zeiten hoher Photovoltaikerzeugung arbeitet. Dadurch soll weniger Strom aus dem öffentlichen Netz für die Warmwasserbereitung benötigt werden.

Energieflatrate als Bestandteil des Mietmodells

Das Energiekonzept ermöglicht nach Angaben der Bauherren eine Pauschalmiete einschließlich der Nebenkosten. Im Gebäude von Jens und Vincent Rohde beträgt sie 14 Euro pro Quadratmeter und Monat und ist zunächst für zwei Jahre festgelegt. Enthalten sind neben Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom auch die übrigen Nebenkosten sowie ein Stellplatz. Lediglich Internet ist nicht eingeschlossen.

Der Stromverbrauch ist innerhalb der Pauschale begrenzt. Für eine 95 Quadratmeter große Wohnung sind beispielsweise maximal 10.800 kWh jährlich vorgesehen. Damit sollen die Betriebskosten für die Mieter kalkulierbar bleiben. Gleichzeitig vereinfacht sich für die Vermieter die Abrechnung der Nebenkosten.

Veränderte Verteilung des Energiebedarfs

Die Berechnungen von Leukefeld zeigen auch, wie sich der Energiebedarf in gut gedämmten Gebäuden verteilt. Für eine Zwei-Zimmer-Wohnung setzt er einen jährlichen Strombedarf von 2.000 kWh an, für eine Drei-Zimmer-Wohnung 2.500 kWh. Darin ist die elektrische Raumheizung bereits enthalten. Hinzu kommt der Allgemeinstrom für Beleuchtung, Lüftung, Klingelanlage, Aufzug und Monitoring.

Auf das gesamte Gebäude bezogen entfallen nach der Simulation rund 25 Prozent des Energiebedarfs auf die Raumheizung. Knapp 36 Prozent werden für die Erwärmung von Dusch- und Trinkwasser benötigt. Der Haushaltsstrom macht etwa 33 Prozent aus, die verbleibenden sechs Prozent entfallen auf den Allgemeinstrom. Damit kommt der Warmwasserbereitung in dem Energiekonzept eine größere Bedeutung zu als der Raumheizung.

Zwei Bauherren setzen auf ein gemeinsames Konzept

Das Energiekonzept wurde von Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld entwickelt. Jens Rohde entschied sich nach eigenen Angaben für den Ansatz, nachdem er Leukefelds Vortrag über vereinfachte Haustechnik bei einem Bautag des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern gehört hatte. Das zweite, baugleiche Mehrfamilienhaus errichtete der Gadebuscher Unternehmer Lars Flaegel.

Beide Gebäude sind inzwischen bezugsfertig. Im Haus der Familie Rohde stehen noch einzelne Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen zur Verfügung. Interessierte können über die JRT Jens Rohde Tiefbau GmbH einen Besichtigungstermin vereinbaren.

Weitere Informationen: JRT Jens Rohde Tiefbau GmbH

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