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Wie Häuser wirklich energieeffizient werden und die Energiewende mitgestalten

Autor: Christian Schaar, Geschäftsführer der S2 GmbH/dcg

Die Energiewende findet nicht nur in Großprojekten statt. 2025 stammten laut Bundesumweltamt hierzulande bereits 58,8 Prozent der erzeugten Strommenge aus erneuerbaren Energien. Parallel dazu ist der Gebäudebereich eine der wichtigsten Stellschrauben beim Energieverbrauch. Dem dena-Gebäudereport 2026 zufolge lag der gesamte Endenergieverbrauch privater Haushalte 2024 bei rund 28 Prozent – fossile Energieträger wie Gas, Öl und Kohle stellten mit 63 Prozent den größten Anteil. Somit kann auch jedes neue oder modernisierte Eigenheim seinen Beitrag leisten. Interessant sind Häuser, die möglichst wenig Energie benötigen, selbst erneuerbare Energie erzeugen und flexibel mit dem Energiesystem zusammenspielen.

Christian Schaar, Geschäftsführer der S2 GmbH – Quelle: S2 GmbH

Weniger Energie verlieren, besser dämmen

Der erste Schritt zu einem energieeffizienten Gebäude beginnt mit einer gut gedämmten Gebäudehülle. Bei der Wahl der Dämmstoffe lohnt ein Blick auf natürliche Materialien wie Holzfaser oder Hanf. Sie können Wärmeverluste im Winter reduzieren und durch ihre Speicherfähigkeit auch den sommerlichen Hitzeschutz unterstützen. Je nach Material und Konstruktion tragen Naturdämmstoffe zu einem ausgeglichenen, wohngesunden Raumklima bei. Ergänzend dazu minimieren hochwertige Fenster, eine luftdichte Konstruktion und möglichst wenig Wärmebrücken zusätzliche Verluste.

Das kommt auch der Heiztechnik zugute. Denn je weniger Wärme verloren geht, desto geringer fällt die Heizleistung aus. Zudem sinkt die notwendige Vorlauftemperatur der Heizung auf 35 bis 45 Grad Celsius und verbessert die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe. Diese arbeitet besonders effizient, wenn sie mit niedrigen Temperaturen auskommt. Flächenheizungen wie Fußboden- oder Wandheizungen ergänzen das System ideal. Sie verteilen die Wärme großflächig und gleichmäßig im Raum, statt punktuell zu heizen.  

Wärmepumpe und Photovoltaik-Anlage zusammen denken

Die Wärmepumpe nutzt Strom, um Umweltwärme für Heizung und Warmwasser nutzbar zu machen, während die PV-Anlage einen Teil dieses Stroms vor Ort erzeugt. Auf diese Weise lässt sich die Wärmeversorgung direkt mit erneuerbaren Energien koppeln. Eine Elektro-Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3 zum Beispiel macht aus einer Kilowattstunde Strom rund drei Kilowattstunden Wärme. Das ist genug, um rund 30 Liter Wasser von 10 auf 80 Grad Celsius zu erwärmen.

Erzeugung und Verbrauch sollten hierbei aufeinander abgestimmt sein. Scheint mittags die Sonne und produziert die Photovoltaik-Anlage mehr Strom als gerade benötigt wird, kann dieser Überschuss die Wärmepumpe, die Warmwasserbereitung, einen Batteriespeicher oder ein Elektrofahrzeug versorgen. Ein Energiemanagementsystem koordiniert diese Verbraucher und verteilt den verfügbaren Strom möglichst sinnvoll.

Energie dann nutzen, wenn sie verfügbar ist

Doch nicht jede Kilowattstunde muss im Haus bleiben. Was nicht benötigt oder gespeichert wird, fließt ins öffentliche Stromnetz. Das ist kein Zeichen für eine schlecht geplante Anlage, sondern ein wesentlicher Bestandteil der dezentralen Energieversorgung. Photovoltaik-Anlagen liefern tagsüber und im Sommer viel Strom. Für Heizung und Warmwasser wird dagegen im Winter viel Energie benötigt. Das Stromnetz kann diese zeitlichen Unterschiede ausgleichen. Solarstrom, der nicht gebraucht wird, steht somit anderen Verbrauchern zur Verfügung. Umgekehrt kann das Haus Strom aus dem Netz beziehen, wenn die eigene Anlage gerade wenig produziert.

So wird aus einem Gebäude, das Energie lediglich verbraucht, ein Akteur, der sich dem aktuellen Energieangebot anpassen kann. Für Eigenheimbauer bedeutet das: Die Planung endet nicht bei der Auswahl einer Wärmepumpe oder PV-Anlage. Vielmehr ist das Zusammenspiel von Gebäudehülle, Wärmeverteilung, Erzeugung, Speicher und Regelung entscheidend.

Fazit: Deutschland ist beim Klimaschutz noch nicht am Ziel. Bis 2030 sollen die Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Nach aktueller Einschätzung des Umweltbundesamts fehlen dafür rund 30 Millionen Tonnen CO2-Äquvialente. Daher kommt es neben großen Infrastrukturprojekten auf die Summe vieler einzelner Gebäude und Entscheidungen an. Das Haus der Zukunft ist kein abgeschottetes System, das möglichst auf sich selbst gestellt ist. Es ist Teil eines größeren Ganzen.

Über den Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH (www.s2-architektur.com). Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros mit Schwerpunkt ökologischer Holzbau wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

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