{"id":15712,"date":"2022-03-26T11:49:00","date_gmt":"2022-03-26T10:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/deinenergieportal.de\/?p=15712"},"modified":"2022-03-22T12:10:29","modified_gmt":"2022-03-22T11:10:29","slug":"plattenbau-als-energieautarkes-haus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/deinenergieportal.de\/?p=15712","title":{"rendered":"Plattenbau als energieautarkes Haus"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Nebenkosten steigen st\u00e4ndig und stellen somit nicht nur f\u00fcr die Eigent\u00fcmer von Geb\u00e4uden, sondern auch f\u00fcr Mieter ein gro\u00dfes Problem dar. In den letzten 20 Jahren haben sich die Stromkosten verdoppelt, jetzt schnellen die Heizkosten nach oben, nicht zuletzt aufgrund der CO2-Aufschl\u00e4ge. Auch die Rechnungen der Handwerker, die Wartungen und Reparaturen durchf\u00fchren, steigen immer mehr. Die zunehmende finanzielle Last reduziert die AGW (Ascherslebener Geb\u00e4ude- und Wohnungsgesellschaft) auf eine neuartige Art und Weise.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15714\" srcset=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-300x212.jpg 300w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-768x543.jpg 768w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein-1320x933.jpg 1320w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Kopernikusstrasse-Aschersleben_klein.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>So wird das Geb\u00e4ude nach dem Umbau aussehen: ein modernes energieautarkes Mehrfamilienhaus mit Photovoltaikanlagen auf dem Dach und an den Fassaden (Quelle: Timo Leukefeld)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Mit Start im M\u00e4rz 2022 baut das st\u00e4dtische Wohnungsunternehmen einen der drei Plattenbauten in der Kopernikusstra\u00dfe im K\u00f6nigsauer Viertel in Aschersleben zu einem energieautarken Mehrfamilienhaus um. Es ist ein bundesweit einmaliges Bauvorhaben, bei dem ein Energiekonzept zum Einsatz kommt, das auf dr\u00e4ngende Fragen und Engp\u00e4sse Antwort gibt.<br><br>Die k\u00fcnftigen Mieterinnen und Mieter der 22 Wohnungen mit zwei bis f\u00fcnf Zimmern k\u00f6nnen sich schon jetzt auf eine Pauschalmiete inklusive der Energiekosten f\u00fcr Strom, W\u00e4rme und Elektromobilit\u00e4t freuen. Wodurch das m\u00f6glich ist, wird schon von au\u00dfen zu erkennen sein: Auf dem Dach und an drei Fassaden werden Photovoltaikmodule installiert, die g\u00fcnstigen Solarstrom produzieren. Und das nicht nur f\u00fcr den Haushaltsstrom und ein Elektroauto f\u00fcr das Carsharing, sondern auch f\u00fcr die behagliche W\u00e4rme. Die wird von hocheffizienten Infrarotheizungen erzeugt. Dadurch kann die AGW die Investitionskosten f\u00fcr das Heizsystem stark reduzieren, und die Kosten f\u00fcr Wartung und Reparaturen bleiben langfristig niedrig und planbar.<br><br><strong>Zum Abrei\u00dfen viel zu schade<\/strong><br><br>\u201eDas Geb\u00e4ude stand schon lange auf unserer Liste f\u00fcr die energetische Sanierung\u201c, sagt Mike Eley, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der AGW. Innen gab es in den vergangenen Jahrzehnten bereits verschiedene Instandsetzungsma\u00dfnahmen. So wurden zum Beispiel neue Fenster eingebaut und die elektrische Anlage erneuert. Der Plattenbau wurde aber nicht ged\u00e4mmt und die Fassade auch nicht optisch versch\u00f6nert. Trotzdem: Zum Abrei\u00dfen viel zu schade, befanden Eley und sein Team. Denn die Bausubstanz ist auch nach 50 Jahren noch gut erhalten.<br><br>Zun\u00e4chst wurden die oberen zwei Etagen abgetragen und ein Geb\u00e4udesegment mit einem Eingang abgerissen. Damit trug die AGW der Bev\u00f6lkerungsabwanderung in der Region Rechnung. Im n\u00e4chsten Schritt werden die unteren drei Stockwerke energetisch saniert und zeitgem\u00e4\u00df optimiert. Als Mieter hat die AGW zum Beispiel junge Familien im Sinn. \u201eWir wollen wieder Kinder in das Quartier holen\u201c, sagt Eley und kann sich vorstellen, dass die Familien die n\u00e4chsten 50 oder 70 Jahre in ihrem neuen Heim wohnen. Daf\u00fcr sind auch familienfreundliche Au\u00dfenanlagen geplant.<br><br><strong>Batteriespeicher erh\u00f6ht Energieautarkie<\/strong><br><br>Einen Beitrag zum Klimaschutz leisten die Bewohnerinnen und Bewohner dann jeden Tag. Denn der Strom und die W\u00e4rme in ihren Wohnungen soll real und nicht nur bilanziell zu \u00fcber 60 Prozent solar erzeugt werden. Im Winterhalbjahr wird \u00d6kostrom zugekauft. Daf\u00fcr werden auf dem Dach Photovoltaikmodule mit insgesamt 111 Kilowatt Leistung installiert, dazu kommen Module mit 65 Kilowatt Leistung an den Fassaden in Richtung S\u00fcden, Osten und Westen.<br><br>Das Konzept der energieautarken Mehrfamilienh\u00e4user geht auf den Freiberger Solarexperten und Honorarprofessor Timo Leukefeld und das Autarkieteam mit Architekt Klaus Hennecke und Projektsteuerer J\u00fcrgen Kannemann zur\u00fcck. Sie haben die energieautarke Sanierung in Aschersleben geplant. Warum sie auf Solarenergie und Infrarotheizung setzen, erkl\u00e4rt Leukefeld so: \u201eDer Heizungsmarkt befindet sich in einem gravierenden Wandel, da k\u00fcnftig in erster Linie strombetriebene Heizungen eingebaut werden sollen. Aktuell sind das noch vor allem W\u00e4rmepumpen, aber wir sind \u00fcberzeugt davon, dass auch hocheffiziente Infrarotheizungen immer st\u00e4rker zum Einsatz kommen werden.\u201c<br><br>Denn diese haben laut Leukefeld diverse Vorteile: Es sind keine Rohrleitungen wie bei herk\u00f6mmlichen wassergef\u00fchrten Heizungssystemen n\u00f6tig. Dadurch sinken der Zeitaufwand und die Materialkosten f\u00fcr die Montage deutlich. Zudem sind Infrarotheizungen \u00fcber Jahrzehnte wartungsfrei, was bei dem Handwerkermangel und steigenden Stundens\u00e4tzen langfristig ein enormer Vorteil sein wird. \u201eDas ist ein gro\u00dfer Wert mit Blick auf die Rendite\u201c, so der Energie-Experte. Mit PV-Strom vom eigenen Dach und den Fassaden k\u00f6nnen die hocheffizienten Infrarotheizungen nicht nur kosteng\u00fcnstig, sondern auch CO2-frei betrieben werden. Der Restbedarf kann mit \u00d6kostrom gedeckt werden, so wie die AGW es plant.<br><br><strong>Speicherkonzept mit drei S\u00e4ulen<\/strong><br><br>Um eine hohe Energie-Unabh\u00e4ngigkeit zu erreichen, ist ein ausgekl\u00fcgeltes Speicherkonzept n\u00f6tig. Das basiert hier auf drei S\u00e4ulen. F\u00fcr die Kurzzeitspeicherung werden Photovoltaik-Akkus installiert, die den tags\u00fcber geernteten Sonnenstrom bis hin die Nacht vorhalten. Mittelfristig betrachtet, erf\u00fcllen die Warmwasser-Boiler eine Speicherfunktion. Jede Wohnung bekommt eine dezentrale Warmwasser-Bereitung mit einem circa 200 Liter fassenden Trinkwasserspeicher. Die zweite Heizpatrone heizt nur mit \u00fcbersch\u00fcssigem Sonnenstrom. \u201eSo k\u00f6nnen etwa 80 Prozent des Warmwasserbedarfs solar gedeckt werden\u201c, erkl\u00e4rt Leukefeld.<br><br>Als dritte S\u00e4ule wird die Speichermasse des Geb\u00e4udes, also die dicken Betonw\u00e4nde und Neu-Mauerwerk, durch die Infrarotheizung aktiviert. \u201eDiese drei S\u00e4ulen sorgen f\u00fcr eine hohe Energieautarkie\u201c, res\u00fcmiert Leukefeld. \u201eVon M\u00e4rz bis Oktober werden die Bewohnerinnen und Bewohner in der Regel vollst\u00e4ndig autark sein.\u201c<br><br><strong>Minimale Energiekosten je Haushalt<\/strong><br><br>Bei der Berechnung der Gesamtenergiekosten geht Leukefeld davon aus, dass die Haushalte zwischen 2.000 und 2.500 Kilowattstunden Haushaltsstrom im Jahr verbrauchen. Wenn die Umlage auf selbst verbrauchten Solarstrom, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verankert ist, Mitte 2022 f\u00e4llt, werden die Energiekosten f\u00fcr Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom nach Berechnungen bei j\u00e4hrlich zirka 381 Euro je Wohneinheit beziehungsweise 32 Euro im Monat liegen. Wer will, kann auch noch die Kosten f\u00fcr die Mobilit\u00e4t reduzieren. Die Ascherslebener Geb\u00e4ude- und Wohnungsgesellschaft plant, f\u00fcr die ersten Jahre ein Elektroauto zur Verf\u00fcgung zu stellen. Es soll kostenfrei genutzt und stundenweise gebucht werden k\u00f6nnen. So k\u00f6nnen beispielsweise Bewohner, die nur selten fahren, ihr Auto abschaffen.<br><br>Durch den hohen Anteil an Solarenergie k\u00f6nnen die Kosten sicher geplant werden und das Wohnungsunternehmen kann sie in der Pauschalmiete mit \u201eEnergieflatrate\u201c einpreisen.<br><br><strong>Nachhaltigkeit durch Vermeidung von grauer Energie und kreislauff\u00e4hige Materialien<\/strong><br><br>Neben der nachhaltigen und g\u00fcnstigen Energieversorgung hat die AGW noch ein weiteres Anliegen. Sie will unn\u00f6tige graue Energie vermeiden. Als graue Energie wird die gesamte Energie bezeichnet, die in einem Bauvorhaben n\u00f6tig ist: bei der Gewinnung der Materialien, dem Herstellen und Verarbeiten von Bauteilen, dem Transport von Menschen, Maschinen, Bauteilen und Materialien zur Baustelle, dem Einbau von Bauteilen im Geb\u00e4ude ebenso wie zur Entsorgung. \u201eDiese graue Energie wollen wir nicht noch einmal verursachen\u201c, erkl\u00e4rt Mike Eley. Dar\u00fcber hinaus wollen sie soweit wie m\u00f6glich Baumaterialien einsetzen, die kreislauff\u00e4hig sind. Das hei\u00dft, wenn das Geb\u00e4ude irgendwann abgerissen wird, sollen die Materialien entweder kompostierf\u00e4hig sein oder dem Wertstoffhof zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<br><br>Die Sanierung dieses ersten Plattenbaus bezeichnet Eley als Pilotprojekt. \u201eWir werden die Ergebnisse genau beobachten, zum Beispiel den Stromverbrauch\u201c sagt er. Wenn Ergebnisse den Erwartungen entsprechen, wovon er ausgeht, sollen auch die anderen beiden Plattenbauten auf dem Gel\u00e4nde zu energieautarken Mehrfamilienh\u00e4usern saniert werden.<br><br>Weitere Informationen: <a href=\"https:\/\/agw-asl.de\/\">https:\/\/agw-asl.de<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.timoleukefeld.de\">www.timoleukefeld.de<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.autarkie.team\">www.autarkie.team<\/a><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nebenkosten steigen st\u00e4ndig und stellen somit nicht nur f\u00fcr die Eigent\u00fcmer von Geb\u00e4uden, sondern auch f\u00fcr Mieter ein gro\u00dfes Problem dar. In den letzten 20 Jahren haben sich die Stromkosten verdoppelt, jetzt schnellen die Heizkosten nach oben, nicht zuletzt aufgrund der CO2-Aufschl\u00e4ge. Auch die Rechnungen der Handwerker, die Wartungen und Reparaturen durchf\u00fchren, steigen immer mehr. 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