{"id":13138,"date":"2021-01-14T11:44:00","date_gmt":"2021-01-14T10:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/deinenergieportal.de\/?p=13138"},"modified":"2021-01-11T11:53:41","modified_gmt":"2021-01-11T10:53:41","slug":"ohne-den-ausbau-der-fernwaerme-kann-die-energiewende-nicht-gelingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/deinenergieportal.de\/?p=13138","title":{"rendered":"Ohne den Ausbau der Fernw\u00e4rme kann die Energiewende nicht gelingen"},"content":{"rendered":"\n<p>Autor\/Redakteur: <a href=\"https:\/\/www.danfoss.com\/de-de\/\">Anton Koller, President District Energy bei Danfoss<\/a>\/gg<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt hat sich in den letzten Monaten sehr ver\u00e4ndert und wenn sich die Wirtschaft wieder \u00f6ffnet sollten wir nicht dahin zur\u00fcckkehren, wo wir einmal waren. Stattdessen m\u00fcssen wir die Wirtschaft nachhaltig wiederaufbauen und \u00f6konomische Anreize mit einer Politik verbinden, die ernsthaft gegen den Klimawandel vorgeht. Um dem Klimawandel entgegenzuwirken ist ein Umdenken erforderlich \u2013 die Wirtschaft braucht einen gr\u00fcnen Neustart, der als Katalysator f\u00fcr nachhaltiges Wachstum sorgt. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dieser Wandel m\u00f6glich ist: Die Energienachfrage ist weltweit um 3,8 Prozent zur\u00fcckgegangen und auch die CO2-Emissionen sind gesunken, da es infolge des Lockdowns in der Corona-Krise auf der ganzen Welt zu einem Stillstand kam. Nun m\u00fcssen wir einen Neustart in der Wirtschaft forcieren und in energieefiziente Technologien investieren, um die Emissionen auf diese Weise weiterhin niedrig zu halten \u2013 denn dadurch k\u00f6nnen die Klimaziele erreicht werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"685\" src=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss-1024x685.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-13139\" srcset=\"https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss-1024x685.png 1024w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss-300x201.png 300w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss-768x514.png 768w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss-1320x883.png 1320w, https:\/\/deinenergieportal.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Danfoss.png 1324w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Screenshot: DeinEnergieportal<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Vor allem der Geb\u00e4udesektor spielt hier eine entscheidende Rolle: 33 Prozent der globalen Emissionen fallen auf Geb\u00e4ude und neben Transport und Industrie ist dieser Sektor der gr\u00f6\u00dfte einzelne Verursacher. In der Europ\u00e4ischen Union sind Heizung und K\u00fchlung von Geb\u00e4uden f\u00fcr die H\u00e4lfte des Energieverbrauchs verantwortlich. 75 Prozent davon basieren noch immer auf fossilen Brennstoffen.&nbsp;Sollen Energiewende und \u00f6kologischer Wandel also gelingen, ist die energetische Sanierung von Geb\u00e4uden und die Dekarbonisierung unserer Heizungs- und K\u00fchlanlagen unabdingbar. Denn dadurch kommen wir nicht nur der Erreichung der Klimaziele n\u00e4her, sondern kurbeln gleichzeitig das Wirtschaftswachstum an. Der Schl\u00fcssel dazu ist die Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien sowie fl\u00e4chendeckende Nutzung von Fernw\u00e4rme.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Energieeffizienz und Sektorkopplung sind die entscheidenden Faktoren<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die kosteneffizienteste, nachhaltigste und sicherste Energie ist die, die wir nicht ben\u00f6tigen. Durch Energieeffizienz k\u00f6nnen wir 44 Prozent und durch erneuerbare Energien 36 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen verringern, die erforderlich sind, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Bei der Verbesserung der Energieeffizienz wird die Energienachfrage reduziert und der verbleibende Energiebedarf auf die effizienteste Weise gedeckt. Deswegen kann dieselbe Menge an erneuerbarer Energie einen gr\u00f6\u00dferen Anteil des Endenergieverbrauchs ausmachen. Dadurch sinkt der Bedarf an zus\u00e4tzlicher, teurer Energieinfrastruktur. In den kommenden Jahren m\u00fcssen diese Synergien besser genutzt werden. Die Sektorkopplung ist hier entscheidend. Im Kern bedeutet Sektorkopplung die Verbindung der verschiedenen Teile des Energiesystems. Die Nutzung von Strom im W\u00e4rmesektor oder die Verbindung von Strom im Mobilit\u00e4tssektor. Dieses Koppeln erlaubt es Energie zwischen den einzelnen Sektoren \u201ehin und her zu schieben\u201c. Dadurch gewinnen wir Effizienz und Flexibilit\u00e4t f\u00fcr das Gesamtsystem und reduzieren auch die Kosten, weil die Energie immer irgendwo verwendet werden kann. Das Abregeln von Windanlagen ist damit pass\u00e9.<\/p>\n\n\n\n<p>Ziel ist es, fossile Energien zu ersetzen. Daher sollte das Prinzip \u201eEnergy efficiency first\u201c das R\u00fcckgrat unserer Umstellung auf eine Welt mit kohlenstoffarmen Volkswirtschaften bilden. Es wird uns helfen, unser Energiesystem zu dekarbonisieren und Strom f\u00fcr die Elektrifizierung unserer Autos, Busse und F\u00e4hren freizusetzen, unsere Geb\u00e4ude gr\u00fcn und unsere St\u00e4dte, die ohnehin f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Emissionen verantwortlich sind, nachhaltig zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit dies gelingt, sind koordinierte Anstrengungen weltweit erforderlich, um die j\u00e4hrliche Verbesserung der Energieeffizienz um drei Prozent aufrechtzuerhalten \u2013 das gilt besonders f\u00fcr Europa. Sektor\u00fcbergreifende Koalitionen wie die Energy Efficiency Global Alliance, auch Drei Prozent-Club genannt, unterst\u00fctzen beispielsweise L\u00e4nder und St\u00e4dte bei der Entwicklung energieeffizienter Geb\u00e4ude und sowie Fernw\u00e4rme- und Fernk\u00fchlsysteme \u2013 f\u00fcr die Zukunftssicherung einer nachhaltigen Gesellschaft. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Immer mehr Prozesse mit Elektrizit\u00e4t, statt mit fossilen Brennstoffen zu betreiben, ist f\u00fcr die Dekarbonisierung zwingend erforderlich. Fernw\u00e4rme spielt hier eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur die effizienteste Art der W\u00e4rmeversorgung. Sie ist au\u00dferdem bestens geeignet um erneuerbare Energien wie Geothermie, Solarthermie aber auch gr\u00fcnen Strom in das Energiesystem zu integrieren. Damit ist sie ein zentraler Baustein f\u00fcr die Sektorkopplung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Maximale Energieeinsparung durch Leanheat<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine k\u00fcrzlich von der Universit\u00e4t Aalborg ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt, wie die europ\u00e4ischen Ziele der CO2-Reduzierung durch erneuerbare Energien und Sektorenkopplung erreicht werden k\u00f6nnen. Im europ\u00e4ischen Heizungsfahrplan der Studie wird gezeigt, dass der Anteil von Fernw\u00e4rme von heute zw\u00f6lf Prozent auf bis zu 50 Prozent im Jahr 2050 erh\u00f6ht werden kann. Auf Basis dieses bedeutenden und bisher ungenutzten Potentials hat die Universit\u00e4t Aalborg einen Fahrplan aus f\u00fcnf Schritten zur Dekarbonisierung Europas im Bereich von Heizung und K\u00fchlung bis 2050 skizziert.<\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Auch Deutschland k\u00f6nnte bis zu 50 Prozent des W\u00e4rmebedarfs mit Fernw\u00e4rme decken. Heute betr\u00e4gt der Anteil der Fernw\u00e4rme zirka 13 Prozent. Dazu m\u00fcssen in den n\u00e4chsten zehn bis 20 Jahren die Nah- und Fernw\u00e4rmenetze deutlich ausgebaut werden. Geschieht dies nicht, kann auch die Energiewende nicht gelingen\u202f\u2013 weil nur die Fernw\u00e4rme als Verteilsystem eine vollumf\u00e4ngliche Integration aller verf\u00fcgbaren W\u00e4rmeenergiequellen bei gleichzeitiger Priorisierung erneuerbarer Energien erm\u00f6glicht. Gerade bei erneuerbaren Energien ist effiziente Energienutzung entscheidend, damit unsere Systeme nicht \u00fcberfordert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Verst\u00e4rkt wird das Potenzial der Fernw\u00e4rme und die damit verbundene Energieeinsparung zus\u00e4tzlich durch den Wechsel von einem Angebots- zu einem bedarfsgetriebenen System mit einer durch k\u00fcnstliche Intelligenz gest\u00fctzten, automatisierten Regelungstechnik. Digitale Tools und k\u00fcnstlicher Intelligenz erm\u00f6glichen es, dass vom Energieerzeuger und der Leitstelle des Fernw\u00e4rmeversorgers \u00fcber Netzknotenpunkte und \u00dcbergabestationen bis zu den Regelungskomponenten in den einzelnen Geb\u00e4uden und Haushalten alles vernetzt und in der Lage ist, intelligent miteinander zu kommunizieren. Konkret lassen sich dadurch bis zu 25 Prozent Energie einsparen. Ein Beispiel f\u00fcr den Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz in der Fernw\u00e4rme ist das Optimierungssystem <a href=\"https:\/\/leanheat.com\/for-district-heating-companies\/\">Leanheat<\/a>. Die KI-basierte Software spart Energie, reduziert Lastspitzen und senkt R\u00fccklauftemperaturen in Fernw\u00e4rmenetzen. Durch eine digitale L\u00f6sung integriert die Software Geb\u00e4ude in den Optimierungsprozess des Fernw\u00e4rmesystems und passt auf Basis kontinuierlicher Echtzeitmessungen die Regelung der Sekund\u00e4rseite dynamisch an den tats\u00e4chlichen Bedarf an. Auf diese Weise wird das Effizienzpotenzial sowohl auf Netz- als auch auf Geb\u00e4udeseite bestm\u00f6glich ausgesch\u00f6pft und das Fernw\u00e4rmenetz von der Erzeugung bis zum Kunden optimiert. Die smarte Steuerungssoftware integriert auch die Kundenseite, da sie detaillierte Einblicke in die W\u00e4rmenutzung erlaubt und Techniker \u00fcber Sensordaten etwaige technische Probleme schneller identifizieren k\u00f6nnen. Wie dies in der Praxis aussehen kann, zeigt ein Pilotprojekt zur Optimierung der Fernw\u00e4rmeversorgung in Hannover, an dem sich Danfoss beteiligt hat. In Kooperation mit dem kommunalen Energieversorger Enercity und der Wohnungsgenossenschaft Ostland wurden in der Heizperiode 2018\/2019 insgesamt 24 Liegenschaften mit dem intelligenten Optimierungssystem ausgestattet. \u00a0Allein im Jahr 2019 lie\u00df sich der Energieverbrauch witterungsbedingt dadurch um neun Prozent im Vergleich zu 2018 reduzieren. Nach sehr guten Ergebnissen in der ersten Heizperiode entschied sich Enercity deshalb im Jahr 2019, weitere 20 \u00dcbergabestationen mit der intelligenten Softwarel\u00f6sung auszustatten. Insgesamt versorgen die integrierten \u00dcbergabestationen nun rund 900 Wohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiele wie diese zeigen, dass durch den sinnvollen Einsatz von k\u00fcnstlicher Intelligenz kombiniert mit energieeffizienten Innovationen, Mensch und Klima profitieren. Mit modernster Technologie k\u00f6nnen die Energiewende und ein gr\u00fcner Neustart der Wirtschaft gelingen. Ein solcher Wandel erfordert wirtschaftliche Motivation, bei der ehrgeizige Klimaziele und die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen ber\u00fccksichtigt werden. Ein stabiler Rechtsrahmen ist \u2013 zusammen mit der richtigen Unterst\u00fctzung \u2013 der Schl\u00fcssel f\u00fcr das Erreichen des Ziels des Pariser Klimaschutzabkommens: die Begrenzung des Anstiegs der weltweiten Temperatur auf 1,5 Grad.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Welt hat sich in den letzten Monaten sehr ver\u00e4ndert und wenn sich die Wirtschaft wieder \u00f6ffnet sollten wir nicht dahin zur\u00fcckkehren, wo wir einmal waren. Stattdessen m\u00fcssen wir die Wirtschaft nachhaltig wiederaufbauen und \u00f6konomische Anreize mit einer Politik verbinden, die ernsthaft gegen den Klimawandel vorgeht. Um dem Klimawandel entgegenzuwirken ist ein Umdenken erforderlich \u2013 die Wirtschaft braucht einen gr\u00fcnen Neustart, der als Katalysator f\u00fcr nachhaltiges Wachstum sorgt. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dieser Wandel m\u00f6glich ist: Die Energienachfrage ist weltweit um 3,8 Prozent zur\u00fcckgegangen und auch die CO2-Emissionen sind gesunken, da es infolge des Lockdowns in der Corona-Krise auf der ganzen Welt zu einem Stillstand kam. 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