Interview zum Thema „Neue Energieeinsparverordnung“

Wir haben ein Interview mit Sebastian Redecker von der EnergieAgentur.NRW zum Thema „Neue Energieeinsparverordnung“ geführt.

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DeinEnergieportal: „Anfang Mai trat die neue Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft. Diese legt die Menge der Heizenergie fest, die ein neues Gebäude verbrauchen darf. Die festgelegten Vorgaben werden dabei schrittweise immer mehr verschärft. So tritt beispielsweise Anfang 2016 die zweite Stufe der EnEV in Kraft, die verhältnismäßig hohe Anforderungen an die Dämmung des Gebäudes und die Sparsamkeit der Heizung stellt. Welche Maßnahmen sollten Bauherrn ergreifen, um Konflikte mit den in der EnEV festgelegten Anforderungen von Vornherein zu vermeiden?“

Redecker: „Der Planungsprozess wird immer komplexer durch die steigenden Anforderungen an den energetischen Baustandard und hierdurch stärkere Verknüpfung der technischen und baulichen Gewerke. Der Bauherr beziehungsweise Architekt sollte daher verstärkt darauf achten, dass die Planer und Handwerker der verschiedenen Disziplinen von Anfang an eng zusammenarbeiten, um Fehler bereits zu Beginn zu minimieren. Jeder Bauherr sollte zu Beginn mit seinen Planern verschiedene Alternativen betrachten und sich die Vor- und Nachteile erklären lassen, damit er die für seine Ansprüche beste Variante auswählen kann.“

DeinEnergieportal: „Beim Erstellen von Neubauten haben Bauunternehmen und Architekten einen großen Einfluss und die Energieeinsparverordnung wurde technologieoffen gestaltet. Das bedeutet, jeder Bauherr kann im Prinzip selbst entscheiden, wie er die geforderten Standards erfüllt. Denken Sie, dass Bauherrn sich darauf verlassen können, dass Bauunternehmer und Architekten die Regelungen des EnEV kennen und ausreichend berücksichtigen oder gibt es zusätzlich irgendeine Möglichkeit, die Einhaltung der in der EnEV festgelegten Anforderungen während Planung und Bauphase zu überwachen und so sicher zu stellen, dass es nachher zu keinen negativen Überraschungen kommt?“

Redecker: „Die Architekten und Bauunternehmer sind für die rechtlich korrekte Umsetzung eines Bauvorhabens verantwortlich. Sie besitzen in der Regel die notwendige Ausbildung, die sie in die Lage versetzt, die baurechtlichen Vorschriften anzuwenden. Der Bauherr sollte allerdings erfahrene Planer und Unternehmen auswählen und sich im Vorfeld Referenzen zeigen lassen. Weiter besteht die Möglichkeit, einen externen Sachverständigen hinzu zu ziehen, der als Baubegleiter den Gesamtprozess neutral überwacht.“

DeinEnergieportal: „Welche Technologien sind Ihrer Meinung nach am effizientesten und bringen den größten Nutzen für Bauherrn, die ihr Bauprojekt EnEV-konform gestalten wollen?“

Redecker: „Eine einfache Möglichkeit, die EnEV einzuhalten, besteht im Einsatz erneuerbarer Energieträger und der hierfür nötigen Technologien. Hier sind die Solarthermie, die Wärmepumpe und Nutzung von Biomasse zu nennen. Weiter sollte im Vorfeld geprüft werden, ob bereits Fernwärme verlegt wurde und ein Anschluss hieran möglich wäre. Allerdings ist darauf zu achten, einen guten Dämmstandard zu wählen, da es das Ziel sein sollte, erneuerbare Energien möglichst effizient zu nutzen.“

DeinEnergieportal: „Welche Konsequenzen werden sich für Hausbauer außerdem aus der EnEV ergeben?“

Redecker: „Der Bauherr sollte in Betracht ziehen, mit einem besseren energetischen Standard zu bauen, damit eine zukünftige Werterhaltung gesichert werden kann. Seit Inkrafttreten der EnEV 2014 werden die Gebäude in Energieeffizienzklassen eingeteilt, die man dem Energieausweis entnehmen kann. Diese könnten im Verkaufsfall Auswirkungen auf den erzielbaren Erlös haben und eine bessere Energieeffizienzklasse kann eine Investitionssicherung darstellen.“

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