Interview mit Detlef Neuhaus, CEO der SOLARWATT GmbH zum Thema „Energiepolitik der großen Koalition“

Wir haben ein Interview mit Detlef Neuhaus, CEO der SOLARWATT GmbH zum Thema „Energiepolitik der großen Koalition“ geführt.

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DeinEnergieportal: „Die neue Bundesregierung scheint einen Kurswechsel bei der Energiepolitik zu planen. Zumindest geben die letzten Vorschläge des Energie- beziehungsweise Wirtschaftsministers Gabriel einen Hinweis in diese Richtung. Welche konkreten Entwicklungen erwarten Sie für die nächsten Monate?“

Neuhaus: „Die vier Säulen Wirtschaftlichkeit, Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Akzeptanz sind der Schlüssel zur Energiewende. Nur wenn diese Säulen stimmen, wird die Energiewende Erfolg haben. Ganz konkret erwarten wir, dass der Gesetzesentwurf von Sigmar Gabriel noch vor dem Sommer verabschiedet wird. Dabei muss es noch Änderungen beim Energie-Soli, der geplanten Bagatellgrenze und der Befreiung energieintensiver Unternehmen geben, sonst wird eine Technologie wie die Solarindustrie, die gerade wettbewerbsfähig ist, direkt wieder abgewürgt. Wofür wurden die Förderungen gezahlt? Und wozu haben wir eine Preisreduktion von 60 Prozent innerhalb der letzten drei Jahre verkraftet?“

DeinEnergieportal: „Welche Auswirkungen werden diese Entwicklungen auf Ihr Geschäft vermutlich haben?“

Neuhaus: „Das Eckpunktepapier sieht eine Mindestumlage zur Finanzierung der EEG-Umlage für alle Eigenstromerzeuger und eine Bagatellgrenze von 10 kWp vor. Mit dieser sollen Solaranlagen für Privathaushalte verschont werden. Wenn der Energie-Soli so kommt, wie Herr Gabriel das angekündigt hat, werden Photovoltaik-Anlagen für den gewerblichen Bereich, die nicht von der EEG-Umlagebefreiung profitieren, allerdings nicht mehr attraktiv sein. Uns würde dadurch ein wichtiges Geschäftsfeld verloren gehen. Damit würde der von Herrn Gabriel geplante Zubau von 2,5 GWp für 2014 in Deutschland aus unserer Sicht nicht erreicht werden.“

DeinEnergieportal: „Welches Vorgehen für die Zukunft halten Sie persönlich für am sinnvollsten?“

Neuhaus: „Die Energiewende in Deutschland ist eine Herkulesaufgabe, das ist allseits bekannt. Doch die Regierung muss dafür Sorge tragen, dass sie an den richtigen Stellen ansetzt. Mit der Einführung eines Energie-Solis werden zum Beispiel diejenigen bestraft, die ihren eigenen Strom erzeugen wollen und die dadurch helfen, den notwendigen Netz-Zubau zu vermindern. Herr Gabriel vergisst bei seiner Reform das Kleingewerbe, für das es einen großen Bedarf an Solaranlagen gibt. Die geplante Bagatellgrenze muss unbedingt auf 200 kWp angehoben werden, so dass der PV-Zubau auch für den gewerblichen Bereich attraktiv bleibt.“

DeinEnergieportal: „Welche Konsequenzen werden sich Ihrer Meinung nach sonst noch aus der Energiepolitik der Bundesregierung ergeben?“

Neuhaus: „Die Solarbranche muss deutlich machen, dass wir nicht das Problem des Strompreisanstiegs sondern Teil der Lösung für eine nachhaltige Energiewende in Deutschland sind. Wir dürfen keine Rolle rückwärts zulassen. Es kann nicht sein, dass durch die Energiewende plötzlich wieder alle Schlote rauchen und billige Braunkohle wieder attraktiver wird. Regenerative Energien sind der Schlüssel zur Energiewende: Sie werden immer wettbewerbsfähiger und brauchen immer weniger staatliche Förderung. Die Dezentralisierung der Energieerzeugung in Kombination mit intelligenten Technologien und Speicherlösungen ist wichtig für eine erfolgreiche Energiewende. Sie verursacht auch keinen Anstieg der Subventionen, denn der Strom wird nicht mehr eingespeist, sondern direkt verbraucht.“

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