Schwierige Marktlage für Biokraftstoffe

Die Biokraftstoffbranche in Deutschland kämpft angesichts steigender steuerlicher Belastungen mit einer schwierigen Marktlage. Trotz eines wachsenden Bedarfs an umweltfreundlicher Energie ist der Biokraftstoffabsatz in Deutschland 2011 gesunken. Laut vorläufigen Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fiel der Absatz gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Prozent auf 3,7 Millionen Tonnen Biokraftstoff. Ursache für den Rückgang ist ein starker Einbruch am Markt für reinen Biodiesel, einem traditionellen Absatzkanal mittelständischer Biokraftstoffanbieter.

Gab es vor wenigen Jahren noch fast 2.000 Zapfsäulen für Biodiesel in Deutschland, so muss man heutzutage Tankstellen, die den umweltfreundlichen Rapskraftstoff anbieten, lange suchen. Nur noch knapp 100.000 Tonnen reiner Biodiesel wurden laut vorläufigen BAFA-Angaben 2011 in Deutschland abgesetzt, das waren 67 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Ursache der Entwicklung ist die Steuerbelastung von reinem Biodiesel, der den Einsatz des Biokraftstoffs gegenüber seinem fossilen Pendant wirtschaftlich unattraktiv macht.

Die von der Mineralölindustrie in Deutschland zu erfüllende Biokraftstoffquote von 6,25 Prozent wird in erster Linie über die Beimischung von Biokraftstoffen zum fossilen Sprit erreicht. Die Umweltkosten der Erdölförderung bleiben dabei außen vor. Zum Beispiel im Golf von Mexiko: Beim Ölmulti BP stieg 2011 der Profit ein Jahr nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon und der anschließenden Verpestung weiter See- und Küstengebiete auf fast 24 Milliarden Dollar. Bei Shell erhöhte sich der Gewinn 2011 auf knapp 31 Milliarden Dollar.

Am europäischen Biokraftstoffmarkt wurden indes neue Standards in Sachen Klima- und Umweltschutz gesetzt. 2011 war das erste Jahr, in dem die Nachhaltigkeitszertifizierung für Biokraftstoff in Deutschland galt. Das heißt: Der vermarktete Biokraftstoff sparte nachweislich mindestens 35 Prozent Treibhausgase gegenüber fossilem Treibstoff ein. Der Anbau von Energiepflanzen auf Flächen, wo zuvor Urwald stand, ist definitiv ausgeschlossen.

Biokraftstoffe tragen neben dem von ihnen geleisteten Klimaschutz dazu bei, dass fossile Kraftstoffe weniger dreckig in den Tank kommen. Wenn Biokraftstoffe fossile Treibstoffe verdrängen, bedeutet dies, dass der Einsatz problematischer fossiler Rohstoffe wie Teersande eingedämmt werden kann. Für solche Teersande liegen die Treibhausgasemissionen laut Untersuchungen um rund 30 Prozent über dem von der EU für fossilen Kraftstoff zugrunde gelegten Wert. Entsprechend höher sind die realen, aber am Markt nicht abgebildeten Umweltvorteile von Biokraftstoff. Zugleich konnte durch die Nutzung von Biokraftstoffen in Deutschland 2011 auf Importe von Brennstoffen im Wert von 2 Milliarden Euro verzichtet werden.

Weitere Informationen: www.unendlich-viel-energie.de