Branchentag Photovoltaik NRW in Düsseldorf

Die Photovoltaikbranche durchlebt derzeit unruhige Zeiten. Die Auswirkungen der Änderungen am Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in der Vergangenheit sind noch spürbar, während gleichzeitig die nächsten Umbrüche drohen. Die große Koalition in Berlin hat sich zum Ziel gesetzt, eine „bezahlbare Energiewende“ aufzusetzen und bis Ostern 2014 ein neues Konzept zum EEG zu präsentieren. Vor diesem Hintergrund sind ein gutes Zusammenwirken und ein reger Austausch innerhalb der Branche besonders wichtig. Das Netzwerk Photovoltaik und die Kampagne Photovoltaik NRW der EnergieAgentur.NRW hatten daher zum vierten Branchentag Photovoltaik NRW eingeladen. Rund 120 Experten, darunter auch Johannes Remmel (Grüne), Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW, diskutierten über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen der Photovoltaik-Branche.

„Diese Veranstaltung hat es wieder einmal gezeigt: NRW ist ein Top-Solarland. Aktuell sind hier in unserem Bundesland rund 200.000 Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von etwa vier Gigawatt installiert, das sind etwas mehr als zehn Prozent der gesamten in 2013 in Deutschland installierten Solarstromanlagen“, sagte Minister Remmel und machte deutlich: „Das EEG ist eine Erfolgsgeschichte und muss nun unbedingt weiterentwickelt werden.“  Auch Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der EnergieAgentur.NRW, betonte im Hinblick auf mögliche Veränderungen beim EEG, dass die Photovoltaik trotz aller Diskussionen und Schwierigkeiten neben der Windenergie die entscheidende Säule in der Energieversorgung sein werde.

Neben den künftigen Auswirkungen des EEG standen beim Branchentag auch die Themen Speichermöglichkeiten, Qualitätssicherung und neue Geschäftsmodelle auf dem Programm, zudem wurden drei Best-Practice-Beispiele vorgestellt, ehe eine Diskussionsrunde den Tag beschloss. Den Anfang beim Vortragsprogramm machte Carl-Georg Graf von Buquoy, Leiter des Netzwerks Photovoltaik der EnergieAgentur.NRW. Er stellte zwei elektrochemische Speicherformen für die Photovoltaik-Anwendung vor: Lithium-Ionen- und Bleisäure-Batteriesysteme. Vor allem letztere seien aus Sicht des Unternehmens derzeit noch auf längere Sicht besonders zukunftsträchtig. Die Qualität von Photovoltaik-Anlagen machte Florian Reil von der TÜV Rheinland Group zum Thema seines Vortrags. Er informierte über die DIN VDE 0126-23, in der die Mindestanforderungen an wiederkehrende Prüfungen für PV-Anlagen festgelegt sind. „Die regelmäßige Wartung ist ein Muss und ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Qualitäts-Roadmap“, betonte Reil. Ihm schloss sich der Vortrag von Rainer Brohm vom Bundesverband Solarwirtschaft an. Brohm sprach über die Finanzierung und neue Geschäftsmodelle der Photovoltaik. Solarstromspeicher und intelligente Energie-Management-Systeme, mit denen ein höherer Eigenstromverbrauch möglich wird, waren Thema seines Vortrags. Im Hinblick auf die Energiewende forderte er Investitions- und Planungssicherheit: „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn es weiterhin ambitionierte Ziele gibt. Ein Ausbremsen können wir uns nicht leisten, wir müssen vorangehen. Und gerade die Photovoltaik beweist, dass das EEG funktioniert.“

Ergänzend zu den Fachvorträgen wurden beim Branchentag drei Best-Practice-Beispiele präsentiert: Dirk Hauschild von der LIMO Lissotschenko Mikrooptik GmbH stellte „Angepasste Laserprozesse für Siliziumsolarzellen“ vor, Gerald Kampert von der Stadt Dortmund informierte über das Projekt „100 EnergiePlusHäuser für Dortmund“ und Guido Wallraven von der Gemeinde Saerbeck erläuterte, wie der dortige Bioenergiepark entstanden ist und wie die Gemeinde eine bilanzielle Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien schon jetzt erreicht hat. „Das wichtigste dabei: Die Gemeinde behält den Hut auf, die Bürger sind die Investoren“, so Wallraven.

In der abschließenden Diskussionsrunde betonte Minister Johannes Remmel noch einmal, dass ein funktionierender Energie- und Strommarkt unumgänglich sei, erst dann könne man über EEG-Veränderungen nachdenken. „Entscheidend ist der Vorrang der Erneuerbaren im Netz“, stellte Remmel klar. Gefragt, wie die Energiewende in Deutschland gelingen könnte, verwies er auf die Gemeinde Saerbeck: „Das brauchen wir so in vielen anderen Städten in Deutschland.“

Weitere Informationen: www.photovoltaik.nrw.de und www.energieagentur.nrw.de

[subscribe2]