Interview mit Björn Lamprecht, Geschäftsführer der Goldbeck Solar GmbH

Wir haben ein Interview mit Björn Lamprecht, Geschäftsführer der Goldbeck Solar GmbH, zum Thema „Eigenverbrauchs- und Speicherlösungen für Solaranalagen“ geführt.

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DeinEnergieportal: „Zur Zeit sind Eigenverbrauchs- und Speicherlösungen für Solaranalagen in aller Munde. Der Trend scheint also dahin zu gehen, dass in Zukunft immer mehr Solarstrom dort zum Einsatz kommt, wo er erzeugt wurde und dass immer weniger Strom in die Netze eingespeist wird. Glauben Sie, dass sich dieser Trend verstärken wird, oder handelt es sich dabei um ein kurzfristiges Phänomen?“

Lamprecht: „Hierbei handelt es sich keinesfalls um ein kurzfristiges Phänomen. Das Gegenteil ist der Fall. Neben den privaten Verbrauchern macht der Eigenverbrauch vor allem im Gewerbe Sinn. In jedem Kundengespräch ist dies das zentrale Thema. Und nach detaillierter Analyse des Lastprofils, des Verbrauchs und des möglichen Solargenerators zeigt sich erhebliches wirtschaftliches Potential, egal ob das Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor oder dem produzierenden Bereich kommt. Nebenbei bemerkt, der Strom wird auch im nächsten Jahr aufgrund der steigenden EEG-Umlage um zirka einen Cent teurer. Diese Unabhängigkeit bei gleichzeitiger Fixierung der Stromkosten über mehr als zwanzig Jahre führt unserer Meinung nach zu einem weiteren Ausbau im gewerblichen Bereich. Wenn man sich nun einzelne Gewerbegebiete anschaut ist hier das Potential der dezentralen Energieversorgung erst recht erkennbar. Große Dachflächen und große Verbraucher sind fast immer gleichzeitig anzutreffen, was eine enorme Entlastung der Netze vor Ort und der großen Übertragungsnetze mit sich bringt. Wir würden uns diesbezüglich wünschen, dass die Regierung im Rahmen der Energiewende die Voraussetzungen und Richtlinien noch einfacher gestaltet.“

DeinEnergieportal: „Was denken Sie, wie sich die staatliche Förderung für Speicherlösungen in Zukunft entwickeln wird? Ist dort ein ähnlicher Trend wie bei Solarstrom zu erwarten, also eine starke Reduzierung der Förderung in der Zukunft?“

Lamprecht: „Wir  sind der Meinung, dass sich Speicherlösungen langfristig ohne Förderung rechnen werden. Hier werden ähnliche Effekte wie in der Solarindustrie zu Tage treten, nämlich ein Anstieg der Produktionskapazitäten, und ergo der Produktion. Dadurch sind sinkende Preise zu erwarten. Leider sind die Preise heute im industriellen Sektor noch nicht auf dem Niveau um Speicherung attraktiv zu machen. Daher ist kurzfristig noch eine Förderung wünschenswert.“

DeinEnergieportal: „Würden Sie einem Hausbesitzer, der seit einigen Jahren eine Photovoltaikanalage hat empfehlen, jetzt einen Solarspeicher nachzurüsten? Und wie sieht es bei Neuanlagen aus: sollten diese von vornherein mit einem Speicher geplant werden?“

Lamprecht: „Generell müssen Kunden Ihre Motive beleuchten. Wenn es um ideelle Werte und Unabhängigkeit geht, steht einer Investition wenig im Wege. Wenn es um die Wirtschaftlichkeit geht, empfehlen wir eine professionelle Analyse des Verbrauchs und des dazugehörige Solargenerators. Und je nach Verbrauch, Anlagengröße, bisherigen Stromkosten und Abschreibungsvorteilen können sich hier interessante Wirtschaftlichkeitsmodelle ergeben.“

DeinEnergieportal: „Welche Konsequenzen werden sich Ihrer Meinung nach aus dem stärkeren Eigenverbrauch ergeben?“

Lamprecht: „Langfristig wird das Eintreffen, was sich viele heute noch nicht vorstellen können. Ein von erneuerbaren Energien geprägter, dezentraler Energiemarkt. Die Energie wird nicht mehr in großen, unflexiblen Atomkraftwerken oder Braunkohlekraftwerken erzeugt, sondern dezentral, sauber und günstig erzeugt und verbraucht.“

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