Interview mit Laura Rottensteiner von Green City Energy

Wir haben ein Interview mit Laura Rottensteiner von Green City Energy zum Thema „Eigenverbrauchs- und Speicherlösungen für Solaranalagen“ geführt.

DeinEnergieportal: „Zur Zeit sind Eigenverbrauchs- und Speicherlösungen für Solaranalagen in aller Munde. Der Trend scheint also dahin zu gehen, dass in Zukunft immer mehr Solarstrom dort zum Einsatz kommt, wo er erzeugt wurde und dass immer weniger Strom in die Netze eingespeist wird. Glauben Sie, dass sich dieser Trend verstärken wird, oder handelt es sich dabei um ein kurzfristiges Phänomen?“

Rottensteiner: „Dieser Trend wird sich eindeutig verstärken, wenn auch eventuell gebremst durch die Einführung der EEG-Umlage für den selbst genutzten Strom. Hier herrscht in Berlin Uneinigkeit. Ein anderes Vorgehen wäre meiner Meinung nach ohnehin zukunftsweisender: Alle neuen PV-Anlagen sollten in ihrer Einspeise-Leistung limitiert sein und somit das Netz entlasten. Bei höherer Leistung sollte der Strom entweder vor Ort verbraucht oder gespeichert und später am Tag eingespeist werden. Diese netzdienliche Fahrweise sollte über das EEG angereizt werden, statt die dezentralen Nutzer mit der EEG-Umlage zu bestrafen!“

DeinEnergieportal: „Was denken Sie, wie sich die staatliche Förderung für Speicherlösungen in Zukunft entwickeln wird? Ist dort ein ähnlicher Trend wie bei Solarstrom zu erwarten, also eine starke Reduzierung der Förderung in der Zukunft?“

Rottensteiner: „Wenn wir zu einem einheitlichen Fördersystem kommen, was ich hoffe, sollte es sich auf den Strom beziehen, der aufgrund der genannten Leistungslimitierung nur über den Speicher seinen Weg ins Netz finden kann. Unser Vorschlag lautet, für diesen zwischengespeicherten Strom über das EEG eine erhöhte Einspeisevergütung zu zahlen. Wir schlagen eine Limitierung der Anlagenleistung auf 30 Prozent vor. Da die Anlagen meistens nicht unter Volllast laufen, kann der Betreiber in diesem Rahmen ohne Speicher noch etwa 50 Prozent der ursprünglichen Einspeisung erzielen, für die darüber hinausgehende, aus dem Speicher stammende Strommenge bekommt der Betreiber die erhöhte Einspeisevergütung. Außerdem kann über die Limitierung hinausgehend produzierter Strom auch selbst verbraucht werden. Komplizierte Regeln wie im aktuellen Speicher-Förderprogramm zum Beispiel zu Speicherkapazität oder Lebensdauer, die jeden Betreiber und auch jede Hausbank abschrecken, fallen hier weg.“

DeinEnergieportal: „Würden Sie einem Hausbesitzer, der seit einigen Jahren eine PV-Anlage hat, empfehlen, jetzt einen Solarspeicher nachzurüsten? Und wie sieht es bei Neuanlagen aus: sollten diese von vornherein mit einem Speicher geplant werden?“

Rottensteiner: „Natürlich macht ein Speicher am meisten Sinn, je jünger die PV-Anlage und je niedriger die Einspeisevergütung ist. Aber selbst bei einer Neuerrichtung würde ich persönlich noch Abstand nehmen, auch unter dem Aspekt, dass die Qualität der Installateure und die Sicherheits- und Kommunikationsstandards noch nicht sehr weit entwickelt sind.“

DeinEnergieportal: „Welche Konsequenzen werden sich Ihrer Meinung nach aus dem stärkeren Eigenverbrauch ergeben?“

Rottensteiner: „Eine Konsequenz muss die Steigerung des Grundpreises für Stromanschlüsse sein. Denn den Stromkunde mit einer PV-Anlage nimmt noch einen Bruchteil der Strommenge ab und das auch noch zu Zeiten allgemein hoher Nachfrage, wie etwa meistens im Winter, und diesen Kunden kann sich ein Stromversorger nur noch mit entsprechend hoher Grundgebühr leisten.“

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